Der Weg zum Bestseller
Konzepte erstellen. Packend schreiben. Den richtigen Verlag finden
Zusammenfassung
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
Natascha Becker
Der Weg zum Bestseller
Konzepte erstellen
Packend schreiben
Den richtigen Verlag finden

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
ISBN 978-3-86910-914-5
ISBN der gedruckten Originalausgabe: 978-3-86910-156-9
Die Autorin: Als ehemalige Chefredakteurin und erfolgreiche Buchautorin weiß Natascha Becker, wie man schreiben muss, um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen. Sie arbeitet für eine renommierte Medienagentur und hilft Autoren, ihre Manuskripte zu veröffentlichen.
© 2009 humboldt.
Ein Imprint der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbh & Co. KG,
Hans Böckler-Allee 7, 30173 Hannover
www.schluetersche.de
www.humboldt.de
Autor und Verlag haben dieses Buch sorgfältig geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden.
Covergestaltung: DSP Zeitgeist GmbH, Ettlingen
Coverfoto: spe / shutterstock
- Vorwort
- Schritt 1: Von der Idee zum Konzept
- Die Gedanken ordnen
- Manches liegt in der Luft
- Den Kern herausarbeiten
- Lernen Sie Ihre Zielgruppe kennen
- Wer soll Ihr Buch kaufen?
- Was erwarten Ihre Leser?
- Der konsequente Aufbau
- Das Fundament muss stimmen
- Beobachten Sie Ihr eigenes Kaufverhalten
- Die Eckpfeiler einer guten Gliederung
- Das überzeugende Exposé
- Wechseln Sie die Perspektive
- Welche Informationen braucht der Lektor?
- Liefern Sie Verkaufsargumente
- Von der Konkurrenz abgrenzen
- Schummeln bringt nichts!
- Haben Sie den Mut, es anders zu machen!
- Warum Sie und niemand anders?
- Autor und Buch müssen zusammenpassen
- Leseproben
- Zeigen Sie, dass Sie das Genre beherrschen
- So viel Kritik wie möglich
- Hilfe von freien Lektoren
- Der gute Geist hinter dem Autor
- Schritt 2: Den richtigen Verlag finden
- Welche Adressen kommen infrage?
- Wenig Spielraum für Experimente
- Das richtige Programm für Ihr Buch
- An wen wenden Sie sich?
- Der Lektor, das scheue Wesen
- Das Wichtigste auf den Punkt bringen
- Das weitere Vorgehen vereinbaren
- Agenturen für Autoren
- Wie finden Sie einen Agenten?
- Professionelle Vermittlung
- Manchmal ist Geduld gefragt
- Vorsicht vor schwarzen Schafen
- Verzichtbare „Leistungen“
- Verlag sucht Autoren
- Option für einen überschaubaren Leserkreis
- Selbstverlag
- Insiderwissen ist gefragt
- Wie hoch sollte die erste Auflage sein?
- Die Neuerscheinung vermarkten
- Rechtliche Besonderheiten
- Books on Demand
- Kosten und Nutzen abwägen
- Schritt 3: Der optimale Vertrag
- Nachbesserungen und Änderungen
- Vertrag und Honorar
- Licht ins Dunkel bringen
- Die wesentlichen Punkte
- Das liebe Geld
- Hinter den Kulissen
- Der Lektor als Manager des Buches
- Programmkonferenzen
- Vertreter: Die Brücke zum Buchhandel
- Schritt 4: Ein Buch entsteht
- Der passende Stil zum Thema
- Sachbücher, Ratgeber und Fachliteratur
- Belletristik
- Kinder- und Jugendbücher
- Tipps für gutes Schreiben
- Kritik suchen – Rat einholen
- Profis helfen dem Nachwuchs
- Beziehen Sie Ihre Zielgruppe ein
- Den Schreiballtag meistern
- Was tun gegen die Schreibblockade?
- Das optimale Arbeitspensum
- Wie viel Zeit haben Sie zur Verfügung?
- Schritt 5: Vom Verfasser zum Autor
- Marketing und Werbung
- Pressearbeit
- So viele Kontakte wie möglich
- Lesungen
- Kontakte zu Buchhändlern
- Das Internet als Plattform
- Die eigene Homepage als Visitenkarte
- Schreiben als Beruf?
- Die Versicherung für Künstler
- Was Sie zum Thema Steuern wissen sollten
- Kontakte knüpfen
- Nutzen Sie Netzwerke für Autoren
- Messen als Informationsbörsen
- Preise, Wettbewerbe, Förderung
- Machen Sie auf sich aufmerksam!
- Anhang
- Adressen, Links und Literatur
- Register
Der Traum vom eigenen Buch
„Wenn ich allerdings zum ersten Mal das jeweilige Manuskript aus der Hand gebe, dann sitze ich noch auf genauso glühenden Kohlen, wie ich es vor zehn oder fünfzehn Jahren tat. Nicht mehr so wie ganz am Anfang – ich glaube, dieses Gefühl hat man nur einmal –, aber sie verschwindet nie, die Nervosität, das Hoffen, mit dem, was man geschrieben hat, wirklich auch all das vermittelt zu haben, was einen beim Schreiben bewegte.“ Tanja Kinkel
Autor sein, ein Buch schreiben – für viele Menschen ein großer Traum. Denn wer ein Buch schreibt, schafft etwas Bleibendes, und wird das Werk gedruckt, lässt der Autor viele Leser an seinen Gedanken, an seinem Wissen teilhaben. Wer schon einmal ein Buch geschrieben hat, kennt das Herzklopfen, wenn er sein gedrucktes Werk zum ersten Mal in den Händen hält. Und erst recht den Stolz, das eigene „Baby“ in der Buchhandlung zu entdecken – neben all den anderen berühmten und auch weniger berühmten Werken.
Ein aufregender Weg liegt vor Ihnen
Zu diesem Augenblick hat den Autor ein langer, manchmal
beschwerlicher, in jedem Fall aber aufregender Weg
geführt: Er hatte eine Idee, die in seinem Kopf und vermutlich auf etlichen Entwürfen Gestalt annahm. Diese arbeitete er aus, bis er endlich ein stimmiges Konzept vor sich
hatte, das er verschiedenen Verlagen anbieten konnte. Er
machte sich auf die Suche nach einem entsprechenden Verlag, nicht alle wollten sein Buch tatsächlich umsetzen. Schließlich aber tat sich eine Tür auf,
und die eigentliche Arbeit begann
nun erst wirklich. Viele Monate hat
er recherchiert, geschrieben, verworfen, weiter geschrieben und wieder korrigiert, bis das Manuskript endlich fertig war. Dann verlor er sein Werk erst einmal aus den
Augen – bis er es schließlich als gedrucktes Buch in den
Händen halten konnte …
Vermutlich haben Sie sich dieses Buch gekauft, weil Sie
genau diesen Weg gerne gehen möchten. Vielleicht ist es
erst eine Idee, die Ihnen im Kopf herumspukt, möglicherweise haben Sie sogar schon das komplette Manuskript in
der Schublade und möchten nun wissen, wie Sie weiter
vorgehen sollen. In beiden Fällen kann Ihnen dieser Ratgeber weiterhelfen, denn es sind ganz bestimmte Schritte,
die jeder Autor auf dem Weg zum gedruckten Buch – und
letztendlich zu einem Bestseller – geht. Schritte, von denen
man möglichst keinen auslassen sollte und bei denen man
auf versteckte Fallstricke achten muss. Denn die Konkurrenz, das sollten Sie sich immer wieder vor Augen führen,
ist groß, das Land der Dichter und Denker ist von einer
wahren Schreibwut ergriffen: Rund 80 000 neue Titel
erscheinen jedes Jahr in Deutschland, die Zahl der Manuskripte, die bei den Lektoraten der Verlage eingehen, ist
nicht genau bekannt, aber noch um ein Vielfaches höher.
Die Konkurrenz ist groß.
Das Verlagswesen und seine Akteure
kennenlernen
Denn schreiben kann im Grunde jeder, einen passenden
Verlag finden, der die eigenen Gedanken druckt, ist dagegen schon wesentlich schwieriger. Nicht zuletzt deshalb
sollten Sie sich schon zu Beginn Ihres Projektes überlegen,
warum Sie überhaupt schreiben, oder schreiben möchten.
Nicht wenige tun dies, weil es einfach ein schönes Hobby
ist, oder weil sie Erinnerungen für sich und andere festhalten möchten. Dann ist es vielleicht gar nicht so wichtig, ob
das Buch jemals in großer Auflage gedruckt und vertrieben
wird. Auch in einem solchen Fall müssen Sie nicht auf Ihr
Werk verzichten, denn es gibt genug Möglichkeiten, persönliche Projekte in guter Qualität umzusetzen.
Ob Sie einen Ratgeber planen oder gerade an Ihren Lebenserinnerungen arbeiten – dieses Buch soll Ihnen dabei helfen, dass Sie Ihr Projekt eines Tages als fertig gedrucktes
Werk in den Händen halten können. Dazu ist es wichtig, einen Blick hinter die Kulissen des Verlagswesens zu werfen und etwas über die typischen Abläufe zu erfahren. Und darüber hinaus lernen Sie die
Akteure kennen, die an der Erarbeitung eines Buches maßgeblich beteiligt sind – in erster Linie natürlich die Lektoren, aber auch andere wichtige Menschen, die im Vertrieb, in der Herstellung oder der Marketingabteilung eines
Verlages arbeiten. Nicht zu vergessen die Buchhändler, die
Ihr Buch eines Tages in ihr Regal stellen sollen und die
Vertreter, die es ihnen schmackhaft machen.
Noch ein Wort zur Sprachwahl an Sie, liebe Leserinnen
und Autorinnen: In diesem Buch ist von Autoren, Lektoren
und anderen Akteuren im Buchwesen die Rede. Dies ist
ausschließlich der Einfachheit der Sprache und der besseren Lesbarkeit geschuldet, keinesfalls der Bedeutung,
die Frauen in der Buchbranche zukommt. Denn eines ist
sicher: Frauen spielen hier inzwischen eine ganz entscheidende Rolle – ob in den Verlagen oder als hervorragende
Autorinnen!
Einen Blick hinter die Kulissen des Verlagswesens werfen.
Schritt 1: Von der Idee zum Konzept
Wie aus einem Geistesblitz ein überzeugendes Exposé wird
„Wer eine neue Idee hat, ist ein Spinner,
bis die Idee eingeschlagen hat.“ Mark Twain
Am Anfang steht natürlich die zündende Idee. Ganz gleich,
ob es sich um ein Sachbuch, einen Ratgeber, einen Roman
oder ein Kinderbuch handelt – der Grundgedanke ist es,
von dem sich später alles andere ableitet. Hier sind nun
zwei Punkte entscheidend: Für wen möchten Sie Ihr Buch
schreiben, wer soll es später einmal lesen? Und: Was ist
das Besondere an Ihrem Projekt?
Dies sind Fragen, die sich später auch die Verlage stellen
werden, denen Sie Ihre Idee anbieten. Und je genauer Sie
sie beantworten können, desto erfolgreicher werden Sie
bei der Verlagssuche sein, und umso besser kommt Ihr
Buch letztendlich bei den Lesern an.
Manchmal scheint es so, als läge eine bestimmte Idee geradezu in der Luft. Oder ein bestimmter Trend erobert die
Öffentlichkeit, und natürlich stürzen sich alle auf dieses eine Thema. Ein toller Gedanke kann deshalb schnell zu
einem alten Hut verkümmern – wenn er schlicht und
ergreifend ein paar Monate zu spät umgesetzt wird. Deshalb sollten Sie eine Buchidee, die sich beispielsweise auf
eine aktuelle Entwicklung bezieht,
nicht auf die lange Bank schieben,
sondern möglichst zügig mit der Konzeption beginnen und diese geeigneten Verlagen anbieten.
Denn Sie können sicher sein: Handelt es sich um ein interessantes Thema, sind Sie bestimmt nicht der Einzige, der
eine Buchidee daraus entwickelt, und möglicherweise sitzen andere Autoren bereits an ihren Manuskripten dazu.
Bevor Sie sich in die Arbeit stürzen, sollten Sie sich ohnehin genau umschauen, ob es ein Buch, wie es Ihnen vorschwebt, vielleicht schon in ähnlicher Form gibt. Wenn dem so sein sollte, dann ist das zwar eine enttäuschende Erkenntnis. Sie spart Ihnen aber viel Zeit und Arbeit – die Sie nutzen können, um eine neue Idee zu verfolgen. Hilfreich für die Recherche ist ein Blick in den Internet-Buchversand amazon.de. Geben Sie ruhig mehrere Stichwörter als Suchbegriff ein – beispielsweise Hüfterkrankungen und Ratgeber. Auf einen Blick sehen Sie, welche Titel es bereits zu diesem Thema gibt. Weitere Quellen sind beispielsweise buchkatalog.de und libri.de. Achten Sie hierbei auch auf das Erscheinungsdatum: Bücher, die mehr als fünf Jahre alt sind, brauchen Sie nicht zu berücksichtigen. Ist jedoch erst vor kurzem ein Werk zu Ihrem Thema erschienen, dürfte es schwierig werden, einen Verlag für ein Konkurrenzprodukt zu gewinnen. Es sei denn, Sie behandeln das Thema grundlegend anders, haben einen neuen, interessanten Ansatz gefunden, als die bereits erschienenen Titel. Dann sollten Sie dies zum Kern Ihres Buches machen und auch später, wenn Sie Ihr Projekt anbieten, klar herausstellen. Fragen Sie sich von Anfang an: Was ist das Besondere an meinem Buch, was vermittelt es den Lesern, das andere Titel nicht können? Warum sollte jemand später genau mein Buch kaufen? Je ehrlicher Sie diese Fragen beantworten, desto zielgenauer können Sie Ihr Konzept ausarbeiten, dass sich an diesem Alleinstellungsmerkmal ausrichten wird.
Welche Titel gibt es bereits zu Ihrem Thema?
Wichtig ist in diesem Stadium der Ausrichtung auch, dass
Sie Ihre späteren „Kunden“ nicht aus den Augen verlieren.
Der Buchhandel ist in klar voneinander abgegrenzte Bereiche sortiert – wie Fachbücher, Ratgeber, Sachbücher, Belletristik. Und natürlich arbeiten alle Verlage mit diesen
Kategorien, damit sie ihre Titel so erfolgreich wie möglich
im Handel platzieren können. Definieren Sie deshalb sehr
genau, in welchem Genre sich Ihr Buch bewegen, und in
welches Regal es der Buchhändler später stellen soll, beispielsweise zu den Gesundheitsratgebern, den politischen
Sachbüchern oder der Fachliteratur für Führungskräfte. Das wird Ihnen wiederum umso leichter fallen, je genauer
Sie den Kern Ihres Projektes kennen und eingrenzen.
Von diesem Grundgedanken, Ihrer Leitidee aus entwickeln
Sie Ihr Konzept nun Schritt für Schritt weiter. Hierzu tragen Sie nun alles zusammen, was der Leser braucht, um
die Botschaft Ihres Buches verstehen und nachvollziehen
zu können. Überprüfen Sie immer wieder, ob die Informationen in einem direkten Zusammenhang zur Kernaussage
stehen, oder ob sie nicht vielleicht doch überflüssig sind.
Denn führen verschiedene Unterthemen zu weit vom
eigentlichen Thema weg, wird das Ergebnis schnell verwässert und beliebig.
Ortstermin
Sobald Ihre Buchidee konkreter wird, lohnt sich ein Besuch
in einem größeren Buchladen. Stöbern Sie in Ruhe und
schauen Sie sich an, was zu Ihrem Thema bereits auf
dem Markt ist. Je mehr ähnliche Titel es schon gibt,
desto genauer sollten Sie Ihr Vorhaben hinterfragen oder
Ihr Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten. Scheuen Sie
sich nicht, die Verkäuferin zu fragen, welchen Titel sie
Ihnen empfehlen würde und warum – auch hier können
Sie wertvolle Hinweise erhalten, die Sie später für Ihr
Buchprojekt nutzen können!
Lernen Sie Ihre Zielgruppe kennen
Je genauer Sie Ihre künftigen Leser bestimmen und beschreiben können, desto besser können Sie für sie schreiben. Unter den Millionen deutschsprachigen Lesern müssen Sie also diejenigen finden, für die Ihr Buch bestimmt sein soll. Auch wenn es sich erst einmal unlogisch anhören mag: Je genauer Sie Ihre Zielgruppe eingrenzen, desto größer sind Ihre Aussichten auf Erfolg. Vielleicht erscheint es zunächst verlockend zu sagen: Mein Buch ist im Grunde für jeden interessant. Doch das wird am Ende keinen Verlag und erst recht keinen Buchhändler überzeugen. Denn um ein Buch auf dem Markt platzieren zu können, ist es wichtig, Marketing und Werbung genau auf die Menschen zuzuschneiden, die das Werk schließlich kaufen sollen. Wie genau Sie diese Zielgruppe definieren können, hängt in erster Linie von dem Genre ab, in dem sich Ihr Buch bewegen soll. Planen Sie einen Ratgeber zu einer bestimmten Krankheit, dürfte es nicht schwerfallen, die angesprochene Leserschaft ausfindig zu machen: In erster Linie die Betroffenen selbst, außerdem kommen noch deren Angehörige infrage. Erliegen Sie an diesem Punkt nicht der Versuchung, das Buch darüber hinaus für andere Menschen interessant zu machen, also beispielsweise auch noch Ärzte ansprechen zu wollen. Patienten und Mediziner sprechen eine völlig unterschiedliche Sprache, haben völlig unterschiedliche Vorkenntnisse. Ein Spagat, der beide Seiten zufrieden stellt, wird Ihnen nicht gelingen.
Planen Sie einen Roman, können Sie Ihr Projekt auch hier
zumindest thematisch eingrenzen: Handelt es sich zum
Beispiel um einen Krimi, einen Science-Fiction-Roman,
eine Liebesgeschichte? Die verschiedenen Roman-Genres haben ihre
treuen Leser – und so werden Sie eine
romantische Lovestory in erster Linie
für ein weibliches Publikum schreiben, während der Wirtschafts-Thriller stärker die männliche Zielgruppe anspricht.
Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle, vor allem,
wenn es um die Sprachwahl geht.
Einfacher ist es, wenn es sich um ein Kinder- oder Jugendbuch handelt, denn hier stellt sich gleich zu Beginn die
Frage nach dem Alter der Leserschaft. Doch Vorsicht: Denken Sie daran, dass auch diese Bücher in erster Linie von
Eltern, meistens den Müttern, gekauft werden – je jünger
die Kinder, desto stärker müssen Sie also auch den Geschmack der Eltern treffen.
Egal, welche Zielgruppe Sie nun ansprechen möchten: Versuchen Sie, so viel wie möglich über Ihre künftigen Leser herauszufinden: Welche Vorlieben haben Sie, welchen Beruf, welche Hobbys üben sie aus, was kennzeichnet ihr soziales Umfeld? Je klarer Sie diese Menschen vor Augen haben, desto leichter fällt es Ihnen herauszufinden, welchen Nutzen sich Ihre Leser vom Kauf Ihres Buches versprechen. Denn ob es sich um ein paar vergnügte Lesestunden, spannende Unterhaltung, Rat in einer bestimmten Situation oder neue Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge handelt: Wer ein Buch kauft, tut dies, weil er sich etwas ganz Bestimmtes davon verspricht.
Die verschiedenen Roman-Genres haben ihre treuen Leser.
Sie möchten Ihre Leser mit Ihrem Buch positiv überraschen. Da kann es nicht schaden, sich ein möglichst umfassendes Bild von diesen Menschen zu machen und Quellen zu nutzen, die Sie dabei mit vielen Informationen unterstützen:
- Mediadaten: Viele Zeitungen und Zeitschriften stellen ihren Anzeigenkunden im Internet Mediadaten zur Verfügung, die die Zielgruppe des jeweiligen Mediums ausführlich beschreiben. Wenn Sie also ähnliche Menschen ansprechen möchten, wie beispielsweise die Leserschaft einer bestimmten Gesundheitszeitschrift, können Sie hier auch etwas über Ihre eigenen Leser erfahren.
- Studien: Die Gesellschaft für Konsumforschung und verschiedene Marktforschungsinstitute untersuchen regelmäßig die unterschiedlichsten sozialen Gruppierungen bezüglich Lebenssituation, Vorlieben und Gewohnheiten. Viele Ergebnisse können Sie im Internet finden und daraus den ein oder anderen Rückschluss auf die Menschen ziehen, die Sie mit Ihrem Buch ansprechen möchten.
Hilfreiche Adressen im Netz
Wenn Sie mehr über die Vorlieben, Wünsche und Gewohnheiten Ihrer Leser erfahren möchten, können Ihnen diese
Quellen viele Informationen liefern:
www.gfk.de Gesellschaft für Konsumforschung www.sinusmilieus.de Marktforschungsergebnisse für
Deutschland
http://mediaresearch.orf.at Marktforschungsergebnisse
des Österreichischen Fernsehens
www.publisuisse.ch Marktforschungsergebnisse für die
Schweiz
www.destatis.de Statistisches Bundesamt für Deutschland www.statistik.at Statistisches Bundesamt für Österreich www.statistik.admin.ch Statistisches Bundesamt für die
Schweiz
www.wuv.de Zeitschrift „Werben und Verkaufen“, Rubrik
„Aktuelle Studien“
Ein wesentlicher Punkt, der häufig übersehen wird, aber schon in der Konzeptphase eine wichtige Rolle spielen kann, ist, dass Bücher deutscher Verlage auch in Österreich und der Schweiz gelesen werden. Überlegen Sie deshalb – besonders, wenn Sie einen Ratgeber oder ein Sachbuch planen –, wie Sie Ihrer Leserschaft im gesamten deutschsprachigen Raum gerecht werden können.
Berücksichtigen Sie den gesamten deutschsprachigen Raum.
Nicht zu breit und nicht zu eng
Je klarer Ihre Vorstellung von Ihren künftigen Lesern ist,
desto besser können Sie Ihr Buchkonzept auf deren
Bedürfnisse zuschneiden. Sie vermeiden so auch den
häufigen Fehler vieler Autoren, das Thema zu allgemein
zu halten oder nur einem ganz speziellen Sachverhalt zu
widmen, der lediglich eine kleine Gruppe von Menschen
interessiert.
Sie kennen also nun die Menschen, für die Sie schreiben
wollen, wissen, was diese sich an Informationen wünschen, welchen Nutzen sie sich davon versprechen, wenn
sie einmal Ihr Buch kaufen. Sie wissen auch, was das
Besondere, das Neue Ihres Buches ist, der Kern, um den
sich alles Weitere ranken soll. Dann können Sie jetzt die
Gliederung Ihres Buches in Angriff nehmen.
Ganz gleich, ob Sie ein Kinderbuch, einen Ratgeber, Roman
oder ein Sachbuch planen – nur mit einem schlüssigen Aufbau können Sie den Lektor eines Verlages und später
auch Ihre Leser überzeugen. Denn er macht auf den ersten
Blick deutlich, was genau den Schwerpunkt Ihres Projektes
ausmacht, wie Sie zu diesem hinführen und welchen Nutzen die späteren Leser aus dem Buch ziehen können.
Lassen Sie sich also ruhig Zeit beim Ausarbeiten Ihrer Gliederung – sie ist das Fundament Ihrer Arbeit, das Gerüst, das Sie später Schritt für Schritt beim Schreiben mit Leben füllen können. Je durchdachter dieses Fundament ist, desto leichter wird Ihnen die Umsetzung fallen. Schleichen sich jedoch bereits in diesem frühen Stadium Ungereimtheiten oder nicht nachvollziehbare Gedankensprünge ein, werden Sie spätestens in der Manuskriptphase darüber stolpern. So weit kommt es allerdings selten, denn meistens entdeckt der Lektor bereits solche Mängel – und das Buchprojekt landet auf dem großen Stapel der Angebote, die mit einer Absage zurück an den Absender gehen.
Beobachten Sie Ihr eigenes Kaufverhalten
Was also macht eine gelungene Gliederung aus? Beobachten Sie sich einmal selbst. Wie gehen Sie vor, wenn Sie darüber nachdenken, ein Buch zu kaufen? Sie stehen im Buchladen, lesen
zunächst den Titel, dann wahrscheinlich den Klappentext auf der Rückseite, und schließlich – wenn es sich
beispielsweise um einen Ratgeber oder ein Sachbuch handelt – schlagen Sie das Buch auf und überfliegen das
Inhaltsverzeichnis. Jetzt sind Sie entweder überzeugt, dass
Sie genau das gefunden haben, was Sie suchen, und kaufen
das Werk. Oder Sie legen es zurück und stöbern weiter.
Letzteres soll Ihrem Buch später natürlich so selten wie
möglich widerfahren, und die Weichen dafür können Sie
bereits in der Anfangsphase Ihres Projektes stellen. Dabei
ist es im Grunde unerheblich, ob Sie sich in der Belletristik
oder im Sachbuchbereich bewegen. Wichtig ist, dass Sie
Ihre Leser wie an einem roten Faden durch das Buch führen und dabei einen dramaturgischen Spannungsbogen
aufbauen.
Wichtig ist, dass Sie einen dramaturgischen Spannungsbogen aufbauen.
Die Eckpfeiler einer guten Gliederung
Während aber beim Roman oder einem Kinderbuch eine
saubere und übersichtliche Gliederung nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist sie für Ratgeber, Sach- und Fachbücher besonders wichtig:
Einstieg: Er gibt dem Leser einen allgemeinen Überblick
über das Thema und liefert zugleich einen Ausblick darauf,
wohin die Reise gehen soll.
Aufbau: Leser schätzen eine möglichst einfache und nachvollziehbare Gliederung. Vermeiden Sie es also, Ihre Kapitel in zu viele Unterpunkte auf verschiedenen Ebenen zu
unterteilen. Eine solche Vorgehensweise mutet eher wie
die Hausarbeit eines Studenten an und wird höchstens von
Professoren honoriert – aber für die schreiben Sie ja nicht.
Für einen Ratgeber beispielsweise sind, je nach Umfang,
fünf bis sieben Hauptkapitel ideal, die wiederum in etwa
fünf Unterthemen eingeteilt werden sollten. Im Grunde
reicht eine solche Gliederung völlig aus, um dem Leser –und dem Lektor – schon im Inhaltsverzeichnis deutlich zu
machen, was ihn erwartet. Wichtig ist, dass die einzelnen
Kapitel und Unterpunkte nachvollziehbar aufeinander aufbauen und Ihre Leser Schritt für Schritt an Ihrem Wissen
teilhaben lassen.
Die Sprache: Auch wenn es etwas Mühe macht, sollten Sie
sich für die einzelnen Kapitel und Unterthemen griffige
Überschriften einfallen lassen, die zum einen deutlich
machen, worum es geht, aber zum anderen mehr sind als
sachliche Themenbezeichnungen. So vermitteln Sie auf
den ersten Blick, dass Sie nicht nur Fakten und Informationen auf den Tisch legen, sondern diese auch lesergerecht
verpacken können.
Ausstieg: Wenn Sie am Ende Ihres Buches Ihr Pulver verschossen haben, sollten Sie es nicht abrupt beenden, sondern einen Ausstieg wählen, der dem Leser die Gelegenheit gibt, das Erfahrene noch einmal Revue passieren zu
lassen. Vielleicht können Sie ihm auch einen Ausblick in
die Zukunft mit auf den Weg geben oder Tipps, wie er sich
weiter über das Thema informieren kann.
Ist der Aufbau Ihres geplanten Projektes erst einmal in sich stimmig, haben Sie bereits eine sehr gute Grundlage, auf der Sie nun ein überzeugendes Exposé erarbeiten können.
Eine gute Idee ist schon mal eine gute Voraussetzung für
ein erfolgreiches Buch. Sie alleine reicht allerdings nicht aus,
um den Lektor eines Verlages zu überzeugen. Er benötigt
zunächst ein Exposé, das ihm alle wichtigen Informationen zu Ihrem Vorhaben liefert, außerdem möchte er wissen, wer Sie sind und warum gerade Sie dieses Buch schreiben sollten. Und er möchte sich ein Bild von Ihrem Schreibstil machen können.
Für manche Autoren ist es schwieriger, ein gutes Exposé zu
verfassen als ein tolles Buch zu schreiben. Davon können
nahezu alle Lektoren und Agenten ein Lied singen. Denn
gemeint ist nicht eine möglichst
detailgetreue Inhaltsangabe des geplanten oder bereits fertiggestellten Werkes. Vielmehr soll ein Exposé in erster Linie eines: Verkaufen! Schließlich wollen Sie denjenigen, der es liest – egal, ob Lektor oder Literaturagent –
auf ihre Seite ziehen. Ihn davon überzeugen, dass es sich
lohnt, sich für Ihr Projekt einzusetzen.
Um das zu erreichen, ist es hilfreich, die Perspektive zu
wechseln, während Sie Ihr Exposé ausarbeiten. Versetzen
Sie sich in die Lage des Verlages, und geben Sie ihm gute
Argumente für Ihr Buch an die Hand: Er möchte in erster
Linie wissen, warum sich ausgerechnet Ihr Buch gut verkaufen wird, an welche Leserschaft es sich richtet und was
an ihm besonders ist. Denn ein Verlag kann es sich in der
Regel nicht leisten, ein Buch umzusetzen, nur weil es dem
Lektor gut gefällt oder sich die Idee interessant anhört – er
will, dass der Titel später die Herstellungskosten wieder
einbringt und darüber hinaus einen möglichst hohen
Gewinn abwirft. Dazu muss er sich gut verkaufen. Und
dass er das tun wird, davon müssen Sie zunächst den Lektor überzeugen. Behalten Sie dabei von Anfang an auch die Buchhändler im Blick: Sie entscheiden später darüber, ob
und wie sie Ihr Buch in ihren Läden präsentieren.
Um Ihr Konzept so überzeugend wie möglich zu präsentieren, sollten Sie ihm schon im Exposé einen griffigen Arbeitstitel geben. Natürlich kann sich dieser Titel noch
ändern, vielleicht wird der Verlag sich für einen anderen
entscheiden, damit sich das Buch besser in eine bestehende
Reihe einfügt. Doch wenn der Blick des Lektors an Ihrem
Arbeitstitel hängen bleibt und dieser ihn neugierig macht,
haben Sie schon mal seine Aufmerksamkeit gewonnen
Ein Exposé soll in erster Linie eines: verkaufen!
Welche Informationen braucht der Lektor?
Ein weiterer Blick sollte genügen, damit der Lektor die groben Rahmendaten Ihres Projektes erfassen kann: Welchen Umfang soll das Werk haben, ist es schon fertig oder erst in der Konzeptionsphase? Ist letzteres der Fall – bis wann könnten Sie es fertig stellen? Natürlich interessiert ihn auch, ob das Buch bebildert werden soll, und wenn ja, wie aufwendig. Denn solche Überlegungen fließen in die Kostenkalkulation mit ein, die später darüber entscheidet, ob sich ein Titel rechnet oder nicht.
Der richtige Umfang
Schon bei der Planung sollten Sie überlegen, wie viele
Seiten Ihr Buch in etwa umfassen soll, denn auch diese
Informationen erwartet ein Verlag in einem Exposé. Dabei
sollte der Umfang natürlich zum Genre passen: Schreiben
Sie einen Roman, kann das Buch ruhig eine höhere Seitenzahl haben, auch ein Fachbuch kann durchaus etwas breiter angelegt sein. Eine zu hohe Seitenzahl jedoch steigert
die Herstellungskosten, und das Buch muss später zu
einem höheren Preis angeboten werden, was den Verkauf
in Grenzen halten kann. Ist das Werk jedoch zu knapp
gehalten, gerät es leicht in den Verdacht, zu oberflächlich
zu sein, was sich je nach Inhalt ebenfalls negativ auswirkt.
Neben einem möglichst kurz gehaltenen Überblick über
den Inhalt des geplanten Buches sollten Sie dem Lektor
überzeugende Argumente liefern, warum ihr Projekt zu
genau diesem Verlag passt und es sich für ihn lohnt, in
eine Umsetzung zu investieren. Umreißen Sie klar die Zielgruppe, die Sie ansprechen wollen. Erklären Sie, warum
sich diese Menschen für Ihr Buch interessieren und welchen Nutzen sie daraus ziehen werden. Hier sollten Sie unbedingt vermeiden, auch vermeintliche Leser in Ihre
Zielgruppe einzubeziehen, die sich wahrscheinlich nur am
Rande für Ihr Buch interessieren werden. Besonders die
Marketing-Abteilung möchte später genau wissen, wen sie
mit Ihren Vermarktungsstrategien ansprechen soll, damit
diese so wirksam wie möglich ausfallen.
Beschreiben Sie, was das Besondere an Ihrem Projekt ist,
und in welche Abteilung einer Buchhandlung es gehört –
handelt es sich um ein politisches, gesellschaftliches Sachbuch, oder um einen Ratgeber, der
seinen Platz in den Lebenshilfe-Regalen haben soll? Und natürlich muss
das Thema, das Sie behandeln, aktuell sein. Falls Sie können, belegen Sie das mit Zitaten aus
den Medien oder beispielsweise mit Studien, die auf eine
bestimmte Entwicklung innerhalb Ihrer Zielgruppe hinweisen.
Wichtig für den späteren Kaufanreiz eines Buches ist auch
seine Umsetzung. Zeigen Sie dem Lektor, dass Sie das Genre
beherrschen, in dem Sie sich bewegen und welche – vielleicht neuen – Ideen Sie einbringen können. Soll das Buch
aus der Ich-Perspektive geschrieben werden, beispielsweise, weil eine Lehrerin aus ihrer Erfahrung mit Kindern schreibt, die Probleme mit Mathematik haben? Oder
sollen witzige Cartoons einen eher trockenen Sachverhalt
zusätzlich auflockern? Falls Sie das Thema Ihres Buches
in irgendeiner Weise besonders oder neuartig umsetzen möchten, sollten Sie das in Ihrem Exposé unbedingt herausstreichen und nicht nur am Rande erwähnen.
Beschreiben Sie, was das Besondere an Ihrem Projekt ist.
- Beispiel aus der Praxis
Die beste Voraussetzung, um einen Verlag von Ihrem Projekt zu überzeugen, ist ein aussagekräftiges Exposé. Hier ein Beispiel dafür, wie es aussehen und gegliedert sein sollte: - Arbeitstitel: Geben Sie Ihrem Buch möglichst von Anfang an einen griffigen, aussagekräftigen Titel. So weiß jeder sofort, um was es geht.
- Zielgruppe: Für welche Leser möchten Sie Ihr Buch schreiben? Und wie groß ist der Kreis Ihrer Leserschaft?
- Ziel: Was möchten Sie mit Ihrem Buch erreichen?
- Inhalt: Geben Sie in Stichworten an, welche Themen Sie in Ihrem Buch behandeln. Falls Sie bereits eine Gliederung erstellt haben, können Sie sie ebenfalls einfügen oder dem Exposé beilegen.
- Begründung: Warum schreiben Sie dieses Buch?
- Konkurrenztitel: Informieren Sie sich unbedingt, welche Titel es bereits zu Ihrem Thema gibt. Was unterscheidet Ihr Buch von den anderen?
- Umfang des Manuskriptes: Wie viele Zeichen soll das gesamte Manuskript umfassen – inklusive Vorwort und Anhängen?
- Grafiken, Fotos, Abbildungen: Soll das Buch Abbildungen enthalten? Wenn ja – wie viele, wer besitzt die Rechte, wer kümmert sich um die Beschaffung?
- Autor: Welche Ausbildung, Praxiserfahrung haben Sie hinsichtlich Ihres Buchthemas?
- Gutachter: Wer kann Ihr Manuskript fachlich beurteilen? Jedes Manuskript sollte von mindestens einem Fachmann gegengelesen werden, der den Text inhaltlich einordnen und beurteilen kann.
- Kontakte und Werbemöglichkeiten: Sind Sie Mitglied in Verbänden, kennen Sie Persönlichkeiten, die in Verbindung mit Ihrem Buchthema stehen? Halten Sie Vorträge oder geben Sie Seminare in diesem Bereich?
- Produktionszeit/Abgabetermin: Wie lange brauchen Sie zur Erstellung des Manuskriptes nach Vertragsabschluss?
- Versuchen Sie, diese Punkte so kurz und präzise wie möglich zu beantworten. Insgesamt sollte das Exposé inklusive Gliederung nicht mehr als vier Seiten umfassen.
Rund 80000 deutschsprachige Neuerscheinungen kommen jedes Jahr auf den Buchmarkt. Dazu kommen noch
unzählige Titel, die die Verlage auf
ihrer so genannten Backlist vorrätig
haben, also Bücher, die bereits vor
einiger Zeit erschienen sind, aber
immer noch angeboten werden. Das bedeutet: Die Konkurrenz ist groß! Verständlich also, dass Verlage möglichst bei jedem neuen
Buch genau abschätzen müssen, wie hoch seine Marktchancen liegen. Und diese schrumpfen natürlich mit jedem
Titel, den es bereits gibt, und der das gleiche Thema behandelt, erst recht, wenn der Inhalt auch noch ähnlich umgesetzt ist.
Selbstverständlich sind Lektoren in der Lage, sich einen
Überblick über das Angebot zu einem bestimmten Buchthema zu verschaffen. Sie sind jedoch in der Regel derart
ausgelastet, dass es ihnen unmöglich wäre, jedes Angebot,
das sie auf den Tisch bekommen, auf seine Konkurrenztitel
hin zu überprüfen. Deshalb wird heute von Autoren erwartet, dass sie diese Aufgabe selbst übernehmen und in ihrem
Exposé die Titel auflisten, die es zum Thema bereits gibt.
Dazu gehören zum einen die direkten Konkurrenten, die
dem geplanten Projekt sehr ähnlich sind, zum anderen
aber auch Bücher, die in denselben Themenbereich fallen.
So kann sich der Verlag einen schnellen Überblick über die
Marktsituation verschaffen.
Einen Überblick über die Marktsituation verschaffen.
Es bringt übrigens nicht viel, wenn Sie hier versuchen zu
schummeln, und in Ihrem Exposé schreiben, dass es noch
keine Bücher zu Ihrem Thema gibt. Das ist angesichts der Titelvielfalt höchst unwahrscheinlich und wird den Lektor
vermutlich eher misstrauisch machen. Und wie gesagt: Er
kennt die Quellen und kann sich jederzeit selbst informieren. Stellen Sie bei Ihren Recherchen fest, dass es doch schon
einige Bücher gibt, die Ihrer Idee nahekommen, muss das
noch lange kein K.-o.-Kriterium sein. Ist Ihre Zielgruppe
beispielsweise weit gefasst, verträgt der Markt vielleicht
ohne weiteres mehrere Titel auf demselben Gebiet. Das
beweisen alleine die unzähligen Ratgeber zu den Themen
Schönheit oder gesunder Rücken, von Kochbüchern ganz
zu schweigen. Außerdem lohnt sich ein Blick auf das
Erscheinungsdatum der Konkurrenz: Bücher, die älter als
fünf Jahre alt sind, können Sie eher vernachlässigen, es sei
denn, es handelt sich um Klassiker oder Standardwerke.
Können Sie also mit aktuelleren Erkenntnissen aufwarten,
stehen Ihre Chancen nicht schlecht, obwohl es vielleicht
schon den ein oder anderen Titel gibt, der Ihrem Projekt
sehr nahe kommt.
Darüber hinaus haben Sie immer noch die Möglichkeit,
aus Ihrem Buch etwas Besonderes zu machen, das sich von
den übrigen Titeln klar abhebt. Dazu ist es natürlich wichtig, genau hinzuschauen, wie die anderen das Thema
behandeln. Überlegen Sie nun, wie Sie sich vom Vorhandenen abgrenzen können: Vielleicht sind Sie in der Lage,
neue Aspekte aufzugreifen oder Thesen aufzustellen, die
Ihr Buch interessant machen. Oder Sie wenden sich nur
einem Teil der ursprünglichen Zielgruppe zu, sodass Ihr
Schwerpunkt ein anderer ist.
Wo Sie Ihre Konkurrenz treffen
Als Quelle für die Recherche nach Konkurrenztiteln eignet
sich natürlich das Internet ganz hervorragend. Erste Adressen sind Amazon.de, Buchkatalog.de, Buchhandel.de und
Google. Geben Sie am besten mehrere Stichwörter als
Suchbegriffe ein, um den größtmöglichen Überblick über
das aktuelle Angebot zu erhalten. Sehr lohnend ist auch
hier der Besuch einer großen Buchhandlung. Fragen Sie
ruhig nach, welche Titel es zu Ihrem Thema gibt, welchen
davon der Verkäufer Ihnen empfehlen würde – und warum!
Haben Sie den Mut, es anders zu machen!
Möglich ist auch, einen Stil zu wählen, der sich von dem
der anderen Titel abhebt – sofern es das Thema erlaubt.
Beispielsweise können Sie bewusst mehr Praxisbeispiele
oder eigene Erfahrungen einbauen oder andere interessante Elemente, die sich durch das Buch ziehen und den
Leser sowohl leiten als auch unterhalten. Sehr beliebt ist es
zurzeit auch, prominente Persönlichkeiten einzubinden.
Sie sichern dem Titel zusätzlich einen höheren Aufmerksamkeitsgrad und können später helfen, ihn erfolgreich zu
vermarkten, indem sie etwa in Talkshows auftreten. Wichtig ist hierbei allerdings, dass ein solcher Promi auch wirklich etwas zu diesem Thema zu sagen hat, seine Bekanntheit alleine macht ihn nicht glaubwürdig.
Verlieren Sie bei diesen Überlegungen nie aus den Augen,
was machbar ist und was nicht. Versprechen Sie also nichts, von dem Sie nicht sicher sind, dass Sie es auch halten können.
Wenn also Ihr Konzept beispielsweise eine sehr humorvolle
Umsetzung vorsieht, sollten Sie diese auch wirklich über das
ganze Manuskript hinweg durchhalten können. Das gilt
natürlich genauso für den Fall, wenn Ihr Projekt von der Mitwirkung eines Prominenten lebt: Erst, wenn Sie dessen Zusage haben,
können Sie ihn fest in Ihr Konzept
einplanen. Andernfalls sollten Sie in
Ihrem Exposé klar darauf hinweisen,
dass Sie bisher noch keinen Kontakt zu diesem Menschen
aufgenommen haben, und am besten noch zwei bis drei
Alternativen nennen. Denn vielleicht hat „Ihr“ Promi kein
Interesse an einer Zusammenarbeit, oder der Verlag aus
verschiedenen Gründen Vorbehalte. Eventuell bestehen
aber auch Kontakte zu Persönlichkeiten, die ebenso gut zu
Ihrem Buch passen, und an die Sie noch gar nicht gedacht
haben.
Versprechen Sie also nichts, von dem Sie nicht sicher sind, dass Sie es auch halten können.
„Der Autor ist selten ein unparteiischer Richter
seiner eigenen Sachen.“ Johann Wolfgang von Goethe
Warum ausgerechnet Sie? Was befähigt Sie, über Ihr Thema
zu schreiben? Welche Erfahrungen, Ausbildung oder Kompetenzen haben Sie – vor allem in Bezug auf Ihr Thema?
Diese Fragen sollten Sie in den Informationen über sich
selbst beantworten. Der Lektor eines Verlages ist dabei
nicht so sehr an Ihrer ausführlichen Lebensgeschichte
interessiert, im Gegenteil: In der Kürze liegt auch hier die
Würze. Stellen Sie die wesentlichen Punkte heraus und lassen Sie unwichtige Details – beispielsweise den schulischen
Werdegang oder einzelne Stationen Ihrer beruflichen
Laufbahn weg –, wenn sie nicht direkt im Zusammenhang
mit Ihrem Buchprojekt stehen.
Geht es später einmal darum, für Ihr Buch zu werben, fällt
das wesentlich leichter, wenn der Autor und sein Werk
eine Einheit bilden und Sie auch über den Inhalt Ihres
Buches hinaus etwas zum Thema zu sagen haben. Eine Zeitung wird viel lieber auf den neuen Titel hinweisen, wenn
sich um ihn herum eine interessante Geschichte erzählen
lässt, ebenso steigt natürlich die Chance, dass Sie in eine
Talkshow eingeladen werden – diese Gelegenheiten werden nicht nur von Prominenten sehr gerne genutzt, um auf
ein neues Buch aufmerksam zu machen.
Autor und Buch müssen zusammenpassen
Stellen Sie heraus, warum das Thema gerade zu Ihnen als
Autor so gut passt. Diese Kompetenz macht Sie schließlich
später in den Augen Ihrer Leser besonders glaubwürdig. Umgekehrt wird
es einem Verlag schwerfallen, für einen Autor zu werben, der auf dem Gebiet seines Buches auf den ersten Blick keine überzeugenden Erfahrungen aufweist.
So leuchtet beispielsweise erst einmal nicht recht ein,
warum ein Bankkaufmann einen Gesundheitsratgeber zum
Thema Krebs schreiben möchte. Oder warum eine junge
Autorin, die selbst keine Kinder hat, einen Ratgeber für
Eltern veröffentlichen sollte. Diesen beiden Autoren wird
niemand die entsprechende Kompetenz zuschreiben, und
vermutlich wird sich kein Verlag finden, der sich an entsprechende Buchprojekte wagt. Es kann also durchaus sein,
dass Sie mit Ihrer Idee und Ihrem Konzept durchaus richtig
liegen, der Verlag aber dennoch kein Interesse an einer
Zusammenarbeit zeigt, weil sich ihm nicht erschließt,
warum gerade Sie dieses Buch schreiben sollten.
Anders sieht es aus, wenn der besagte Bankkaufmann die
Krankheit in einem Sachbuch aus der Sicht des Patienten
oder eines Angehörigen schildert und dem Leser dabei
wertvolle Informationen und Ratschläge geben kann. Dann
hat das Buch nicht den Anspruch eines medizinischen Ratgebers, den man nur einem erfahrenen Arzt abnehmen
würde. Auch die junge, kinderlose Autorin könnte einen
Verlag für ihr Vorhaben finden: Indem sie beispielsweise
eine Koautorin mit ins Boot holt, eine Lehrerin und zweifache Mutter etwa. Zusammen können sie dann ein Projekt
umsetzen, das vielleicht sehr originell ist, aber kein Verlag
angenommen hätte, wenn die Autorin es alleine angeboten
hätte.
Stellen Sie Ihre Kompetenz heraus.
Ein starkes Team
Bevor Sie Ihr Buch einem Verlag anbieten, sollten Sie
selbstkritisch hinterfragen, ob Sie auch in den Augen
Außenstehender der richtige Autor dafür sind. Fehlen
Ihnen bestimmte Kompetenzen, ist es sinnvoll, einen
Koautor einzubinden, der diese Lücke schließt. So gewinnen Sie gegenüber dem Lektor und später natürlich auch
gegenüber den Lesern an Glaubwürdigkeit.
Es ist durchaus nicht unbedingt notwendig, dass Ihr Buch
bereits fix und fertig geschrieben ist, wenn Sie es einem
Verlag anbieten. Im Gegenteil: In vielen Verlagsprogrammen finden sich mehr oder weniger etablierte Reihen,
deren einzelne Titel bestimmte Merkmale aufweisen
müssen, damit sie inhaltlich wie optisch zusammenpassen. Das ist besonders bei Ratgebern, Sach- oder Fachbüchern der Fall. Ist Ihre Arbeit am Manuskript bereits abgeschlossen, kann das Thema für
einen Lektor zwar durchaus interessant sein. Doch passt
die Umsetzung überhaupt nicht zum Konzept, würde es
für ihn viel Aufwand und Arbeit bedeuten, das Ganze entsprechend um zu ändern. Abgesehen davon, dass einige
Autoren ganz und gar nicht begeistert sind, wenn derart in Ihr Projekt eingegriffen wird, dass Sie es anschließend
kaum wiedererkennen.
Hier kann ein abgeschlossenes Manuskript also sogar von
Nachteil sein. Bietet ein Autor dagegen ein Konzept an und
signalisiert die Bereitschaft, dieses an die Bedürfnisse des
Verlages anzupassen, läuft er unter Umständen offene Türen
ein, wenn das Thema die Lücke in einer bestehenden Reihe
schließt. Selbst ein Roman muss noch nicht komplett vorliegen, denn auch hier kann es sein, dass der Lektor noch
den ein oder anderen Hinweis zur Handlung unterbringen
möchte.
Ein abgeschlossenes Manuskript kann sogar von Nachteil sein.
Details
- Seiten
- ISBN (ePUB)
- 9783869109145
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2010 (Dezember)
- Schlagworte
- Bestseller Schreibschule Schriftsteller