Zusammenfassung
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
Autoren
Prof. Dr. med. vet. Dirk Berens v. Rautenfeld
Medizinische Hoschschule Hannover
Funktionelle und Angewandte Anatomie
Hannover
Dr. med. vet. Christina Fedele
Praktizierende Tierärztin
Hattingen
Dr. med. vet. Anna Rötting
Klinik für Pferde
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hannover
Stefanie Brandenburger
Physiotherapeutin
Wedemark
Ruth Negatsch
Tierärztin
Schönfließ
Mitarbeiter
Sarah Aurenz
Tierärztin
Hannover
Dr. med. vet. Carola Ballat
Bovenden
Dr. med. vet. Bianca Carstens (Brandhorst)
Rotenburg
Monika Fuggert
Physiotherapeutin
Glashütten
Dr. med. vet. Natalie Klages
Rodewald
Helmut Kreczik
Grafiker
Hannover
Vorwort der 2. Auflage
Dem Leser der 1. Auflage unseres Buches wird auffallen, dass sich der Titel verändert hat, was durchaus ungewöhnlich sein mag. Die Integration der »Lymphologie« aus dem Unter- in den Haupttitel weist nun deutlich darauf hin, dass dieses Buch weit mehr Informationen als nur die Anleitung zur Manuellen Lymphdrainage (MLD) vermittelt.
Viele der von uns ausgebildeten tierärztlichen und physiotherapeutischen Lymphdrainagetherapeuten bedauern, dass sie häufig erst im fortgeschrittenen Stadium der chronischen Phlegmone mit schlechter Prognose in die Behandlung dieser Pferde integriert werden. Auch in der Humanmedizin hat es vergleichsweise lange gedauert bis die Phlegmone als Lymphödem bezeichnet wurde und die physiotherapeutische Anwendungen wie die MLD Akzeptanz fanden: Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägte R. Virchow als Erster den Begriff des »lymphatischen Ödems« für die Phlegmone des Menschen (vergleichbar mit der chronischen Phlegmone des Pferdes), die Lymphangitis und das Erysipel (vergleichbar mit der akuten Phlegmone des Pferdes), während andere Autoren noch bis nach dem 2. Weltkrieg bezweifelten, dass es sich mit Ausnahme der Lymphangitis um Lymphgefäßerkrankungen handelt. Ebenfalls in der Ära von Virchow beschrieb der Chirurg A. Winiwater eine »spezielle Massagebehandlung« zur Therapie der chronischen Phlegmone, welche über 100 Jahre in Vergessenheit geriet und erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts als »Manuelle Lymphdrainage« von den Krankenkassen als Methode der Wahl zur Behandlung der nunmehr als Lymphödem bezeichneten Erkrankung Akzeptanz fand. In der Veterinärmedizin besteht die Hoffnung, dass der historische Begriff der Phlegmone sehr viel schneller durch den des »equinen Lymphödemkomplexes (ELK)« ersetzt wird (siehe Kapitel 10.2).
Die überarbeitete, mit zahlreichen neuen Abbildungen versehene Auflage, berücksichtigt in erster Linie neue Behandlungsstrategien für die Arbeit der MLD-Therapeuten.
Prof. Dr. A. v. Winniwarter (1848–1927, obere Reihe, zweiter von rechts) war als Chirurg in Lüttich tätig. Er beschrieb im 19. Jahrhundert als erster eine »Massagemethode« zur Therapie der Elephantiasis.
Prof. Dr. phil., Dr. med. vet. h.c.,
Dr. med. h.c. Hermann Baum (1864–1932).
Sowohl der Chirurgin Dr. Anna Rötting als auch Dr. Tanja Helling verdanken wir den Impuls zur palliativen MLD-Behandlung von Tendopathien, welche in der Zukunft der wichtigste Einsatzbereich der lymphologischen Behandlung werden könnte. Von Anna Rötting stammt das neue Unterkapitel »Besondere Krankheitsberichte« innerhalb der Krankheitslehre. Diese vortrefflich dokumentierten Fälle veranschaulichen, dass eine Zusammenarbeit zwischen Tierärzten und Physiotherapeuten am lymphologischen Patienten Pferd unbedingt erforderlich ist.
Neue Erfahrungen im Rahmen der Kompressionsbehandlung zeigen, dass zunehmend Kompressionsstrümpfe bei Pferden mit chronischer Phlegmone den lymphologischen Behandlungserfolg einschränken, besonders dann, wenn kombinativ keine MLD-Behandlung zur Anwendung kommt. Bisher ist bei der Behandlung von equinen Lymphödemen zu sehr auf die Reduzierung von Umfangsvermehrungen und zu wenig auf die Wiederherstellung der physiologischen Konsistenz des fibrosierten Ödemgewebes geachtet worden, welches nur durch MLD-Griffe in Kombination mit lymphologischen Verbänden erfolgreich behandelt werden kann.
In das Buch integriert sind die Ergebnisse einer reiterlichen Umfrageaktion zum Thema »Angelaufene Beine (AGB)«, welcher wir neue Erkenntnisse zum Verständnis der Genese des equinen Lymphödemkomplexes verdanken. Der Umfrage konnte u. a. entnommen werden, dass es sich bei mehr als 50% der Pferde mit angeblichen AGB bereits um chronische Phlegmonen handelt und die Neigung zu dieser Erkrankung bereits im Fohlenalter auftreten kann.
Neben der Berücksichtigung neuer Therapieansätze soll das Buch der Tierärzteschaft »lymphologisches Denken« auch bei Erkrankungen wie z. B. dem Fesselringbandsyndrom vermitteln, welche bisher im lymphologischen Therapiekonzept keine Berücksichtigung fanden.
Der Vergleich der Lymphödemformen bei Mensch und Pferd (Kapitel 10) musste völlig neu geschrieben werden, weil das »lymphvaskuläre Bäumchen« dank vieler Impulse unserer Lymphdrainagetherapeuten, besonders aber auch durch den Nachweis eines erblichen (hereditären) Lymphödems beim Pferd, in den Jahren nach Erscheinen der ersten Auflage, gewachsen ist. Der Namensgeber unserer Arbeitsgruppe, Prof. Dr. phil., Dr. med. vet. h.c., Dr. med. h.c. (1864–1932) Hermann Baum mag uns wegen der Verniedlichung seines Namens posthum verzeihen oder sogar stolz auf die klinische Bedeutung seiner Lymphgefäßanatomie beim Pferd sein.
Aufgrund der uns zugeführten großen Zahl besonders von tierärztlich austherapierten Pferden mit Umfangsvermehrungen aus dem In- und Ausland zeichnet sich eine Mitbeteiligung peripherer Venen beim Lymphödem ab. Deshalb war es erforderlich auch Phlebolymphödeme zu thematisieren, auf welche zukünftig besonders geachtet werden sollte.
Wir freuen uns, dass zwei veterinärlymphologische Publikationen unseres Autorenteams durch wissenschaftliche Preise geehrt wurden. Es handelt sich um Arbeiten von Dr. Christina Fedele und von Dr. Tanja Helling.
Der Tierärztin Sarah Aurenz sei für die unermüdliche redaktionelle Arbeit bei der Neugestaltung des Buches besonders auch deshalb gedankt, weil sich dadurch die Vollendung ihrer Doktorarbeit verzögert hat.
Es ist dem Herausgeber ein besonderes Anliegen, den im Verlauf der ersten Auflage verstorbenen Hochschullehrern, dem allseits geschätzten ehemaligen Leiter der Pferdeklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. E. Deegen und dem Anatomen der Freien Universität Berlin Prof. Dr. F. Preuß die zweite Auflage des Buches zu widmen. Beide haben unsere veterinärlymphologische Arbeit maßgeblich gefördert.
Hannover, im Oktober 2011
Dirk Berens von Rautenfeld
Geleitworte zur 1. Auflage
Der Herausgeber dieses Buches, Prof. Dr. D. Berens v. Rautenfeld, ist Tierarzt und Reiter. Beruflich hat ihn der Weg über die Veterinäranatomie und sein besonderes Interesse an der vergleichenden Lymphologie in die Humanmedizin geführt. Seine Begeisterung für das Lymphgefäßsystem blieb an der Medizinischen Hochschule Hannover ungebrochen. Vergessen schien sein equiner Bezug, da er Gründungsmitglied der deutschsprachigen Gesellschaft für Lymphologie (GDL) in Wien wurde. Nur wenige in der Humanmedizin wussten, dass sie einen Fachtierarzt für Geflügel und Veterinäranatomie zum Präsidenten der GDL gewählt haben.
»Back to the roots« legt er nun mit seinem Team von Autorinnen diese erste tiermedizinisch ausgerichtete Lymphologie vor. Das Wagnis einer vergleichenden Lymphologie im Zeitalter einer immer mehr molekular ausgerichteten Forschung ist notwendig, da die Humanmedizin immer auf der Suche nach einem klinischen »Lymphödemmodell« für den Menschen war. Die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe zeigen, dass die Ursachen für das Lymph ödem beim Menschen in der Vergangenheit andere waren und in der Dritten Welt, aber auch beim Pferd, noch andere sind.
Das Buch birgt auch für den Humanlymphologen eine Quelle von Informationen sowohl für den Arzt als auch für den Physiotherapeuten. Es enthält zahlreiche eigene Forschungsergebnisse beim Pferd, welche schon jetzt vom Pferd auf den Menschen übertragbar sind (z. B. die Existenz dermaler Kollektoren) oder unbedingt beim Menschen zu überprüfen sind (z. B. die Funktion der Myofibroblasten und der enorm hohe Anteil elastischer Fasern in der Wand der Kollektoren beim Pferd). Auch deshalb sollte das Werk nicht nur von Tierärzten und Physiotherapeuten mit Interesse am Pferd, sondern von möglichst vielen Humanlymphologen und am Menschen tätigen MLD-Therapeuten gelesen werden.
Der wissenschaftlichen Kreativität der Autoren verdanken aber auch die »Pferdepatienten« und ihre Besitzer, dass bereits am Anfang der Entwicklung einer Veterinärlymphologie an Prävention bzw. Prophylaxe von Lymphgefäßerkrankungen gedacht wird. Es scheint so, dass das Verhalten der Lymphgefäße eine Art »Bioindikator « für die besonderen zivilisatorischen Umweltbedingungen des Pferdes darstellt. Dass uns der Herausgeber auch weiterhin in der Humanlymphologie erhalten bleibt, zeigen seine Projekte und die seiner Mitarbeiter zur molekular orientierten Charakterisierung von Lymphgefäßen, aber auch seine Bemühungen um die Ausbildung von MLD-Therapeuten am Menschen. Ich empfehle das Lesen dieses Buches auch allen in der Humanmedizin tätigen Lymphologen.
Hinterzarten, im Frühjahr 2005
Prof. Prof. h.c. Dr. med. Michael Földi
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Pferde mit Erkrankungen des Lymphsystems spielen in der tierärztlichen Praxis immer wieder eine bedeutende Rolle und gehören zu den schwer therapierbaren Fällen. Obwohl schon BAUM (1864–1932) die Grundlagen der Topographie der Lymphknoten und der makroskopisch darstellbaren Lymphgefäße beim Pferd erforscht hat, fehlten bis jetzt Befunde zum Feinbau und zur funktionellen Anatomie der Lymphgefäße. Die Forschungsgruppe Hermann- Baum-Seminar (HBS) der Medizinischen Hochschule Hannover, unter der Leitung des Tierarztes Prof. Dr. Dirk Berens von Rautenfeld, hat sich diesem Thema erfolgreich gewidmet.
Dem Herausgeber und seinen Mitarbeitern ist es gelungen, basierend auf den Untersuchungen in der Humanmedizin, die Grundlagen der funktionellen Anatomie des Lymphsystems des Pferdes für die Anwendung in der Praxis zu erarbeiten und dabei gleichzeitig die Unterschiede zum Lymphsystem und zum Lymphödem des Menschen zu erforschen.
Dargestellte Lymphdrainagegriffe, die auf den Grundgriffen in der Humanmedizin basieren, bewirken eine Steigerung der Kontraktion der Kollektoren und der Lymphgefäßstämme und führen zum Lymphabfluss. Damit wird für die praktizierenden Tierärzte eine neue Therapieform bei Lymphstau des Pferdes dargestellt. Zum Erlernen dieser Technik werden Kurse in Manueller Lymphdrainage (MLD) angeboten, deren Inhalte hier vorgestellt werden und die auch für Humanphysiotherapeuten zugängig sind. Außerdem werden hier erstmals Kompressionsstrümpfe für Pferde in ihrer Anwendung dargestellt.
Sehr wertvoll sind die Angaben über Lymphgefäße für Pferdebesitzer, helfen sie doch z. B. das Putzen gezielter als bisher im Sinne einer Förderung des Lymphflusses durchzuführen. Sowohl für Humanlymphologen und Physiotherapeuten als auch für Veterinärmediziner stellt dieses Buch eine sprudelnde Informationsquelle dar, aus der alle an der Thematik interessierten Studenten, Praktiker und Wissenschaftler schöpfen können.
Burgdorf, Juli 2005
Prof. a.D. Prof. extraord.
Dr. med. vet. Horst Wißdorf
4 | Lymphdrainagegriffe
C. Fedele
4.1 Grundlagen und Eigenschaften
Die in der MLD genutzten Grifftechniken fußen auf den von Vodder entwickelten Grundgriffen (Strössenreuther, 2002a). Die MLD-Griffe bewirken eine Steigerung der Kontraktion der Kollektoren und Lymphgefäßstämme des Lymphgefäßsystems. Zudem wird die Sogwirkung auf interstitielle Flüssigkeitsansammlungen erhöht und dadurch deren Abtransport forciert. Alle diese Grundgriffe haben gemeinsame Eigenschaften.
4.1.1 Druckstärke
Die Griffe werden weich, sanft und so großflächig (Abb. 4.1) wie möglich ausgeführt, da die erreichbaren Lymphgefäße nur einen maximalen Durchmesser von 0,5 mm aufweisen und der ausgeübte Druck umgekehrt proportional zur Fläche steht. Stärkerer Druck führt daher eher zum Kollabieren der Lymphgefäße. Der »optimale Druck« ist nicht existent, da z. B. in lymphödematösen Gebieten andere Druckstärken nötig sind als in den angrenzenden gesunden Regionen.
Abb. 4.1:
Großflächiges Auflegen der Hände bei Anwendung der MLD-Griffe.
4.1.2 Geschwindigkeit
Die MLD-Griffe werden langsam, mit einer Dauer von etwa 2 Sekunden durchgeführt. Diese Zeitdauer basiert auf der Frequenz der Lymphangiomotorik von gesunden Kollektoren beim Menschen, welche bei etwa 6/min in Ruhe und 16/min in Bewegung liegt.
4.1.3 Druckverlauf
Die Griffe werden kreisförmig ausgeführt, mit einer im Druck ansteigenden Schubphase und einer im Druck abfallenden Entspannungsphase (Abb. 4.2). In der Schubphase wird die Gewebsflüssigkeit bzw. Lymphe in die gewünschte Abflussrichtung verlagert, während man sich in der Entspannungsphase passiv aus dem Gewebe heraustragen lässt. Hierdurch entsteht die sog. »Sogwirkung«, d. h. die Gefäße können sich von distal her wieder füllen und ziehen so Gewebsflüssigkeit in ihr Lumen.
Abb. 4.2:
Druckkreis. Die Skizze gibt schematisch den Druckverlauf von MLD-Griffen wieder. Das Druckmaximum muss immer in der Abflussrichtung der Lymphgefäße liegen.
4.1.4 Druckrichtung
Die Ausrichtung der Schubphase, also die gewünschte Abflussrichtung, orientiert sich an der Abflussrichtung der Lymphgefäße im Behandlungsgebiet (siehe Abb. 2.50). Exakte Kenntnisse der Verlaufsrichtung der Kollektoren sind daher für den Therapeuten von großer Bedeutung.
4.2 Grundgriffe der MLD nach Vodder/Asdonk
4.2.1 Stehender Kreis
Diese Griffform kann in Abhängigkeit von den regionalen Verhältnissen ein- oder beidhändig sowie klein- (Finger) oder großflächig (Handfläche) eingesetzt werden. Der stehende Kreis wird überwiegend direkt über Lymphknoten mit möglichst flächig aufgelegten Händen durchgeführt. Die Hand beschreibt einen Kreis mit Schub- und Entlastungsphase, wobei das Druckmaximum auf der Kleinfingerseite erreicht wird. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Hand nicht über die Haut gleitet, sondern auf der Stelle liegen bleibt, dabei aber Gewebe verschiebt.
4.2.2 Schöpfgriff
Auch dieser Griff kann ein- oder beidhändig durchgeführt werden. Die Hand führt hierbei eine schöpfende Drehbewegung aus, deren Druckrichtung in der Winkelhalbierenden zwischen Daumen und Zeigefinger liegt. Dieser Griff besteht aus einer fortlaufenden Bewegung, trotzdem bleibt während der gesamten Zeit voller Kontakt zwischen Hand und Haut erhalten. Eine klare Trennung zwischen Schub- und Entspannungsphase ist bei diesem Griff nicht möglich. Beginnend mit gebeugtem Handgelenk, werden Daumen und Zeigefinger aufgesetzt, es folgt vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger die gesamte Hand, dabei wird das Handgelenk gestreckt bzw. dorsal flektiert. Der Schöpfgriff ist besonders zur Anwendung an den Extremitäten geeignet.
4.2.3 Drehgriff
Auch bei diesem Griff liegt die Druckrichtung in der Winkelhalbierenden zwischen Daumen und Zeigefinger. Anders als beim Schöpfgriff beschreiben beim Drehgriff Daumen und Zeigefinger einen Kreis in dieselbe Richtung. Die Bewegung beginnt mit dem Aufsetzen der Fingerspitzen auf der Haut, gefolgt vom Ablegen der Hand über die Kleinfingerseite. Dabei muss der Daumen in Abduktionsstellung gleiten. Während des Heranführens des Daumens (Adduktion) erfolgt die Schubphase der gesamten Hand in Richtung der Fingerspitzen, dann folgt die Entspannungsphase. Dieser Griff wird vor allem flächig, d. h. am Rumpf, eingesetzt. Er verstärkt die Lymphbildung und den Lymphtransport.
4.2.4 Vollhandödemverschiebegriff/Pumpgriff
Dieser Griff wird einhändig ausgeführt, bei größeren Flächen auch im Wechsel zwischen rechter und linker Hand. In der Ausführung werden Daumen und Zeigefinger bei gebeugtem Handgelenk auf die Haut aufgesetzt. Durch eine Streckbewegung im Handgelenk wird dann die gesamte Handfläche abgelegt und so ein flächiger Schub in Abflussrichtung ausgeübt. Danach lässt man sich passiv aus dem Gewebe heraustragen. Der Pumpgriff gehört auch zu den Ödemverschiebegriffen.
4.3 Spezialgriffe
Speziell für den Ödembereich gibt es Griffe, welche darauf ausgerichtet sind, freie Flüssigkeiten im Gewebe in bereits behandelte Gebiete zu verschieben. Druck- und Schubphase dieser Griffe sind verlängert und verstärkt.
4.3.1 Quergriff
Dieser Griff ist eigentlich kein eigenständiger Griff, sondern die Kombination aus zwei anderen Grundgriffen, z. B. dem stehenden Kreis und dem Schöpfgriff. Hierbei ist darauf zu achten, dass erst der eine Griff beendet sein muss, bevor der zweite ausgeführt wird. Dieser Griff wandert in sich mehrfach wiederholenden Bahnen (3–5) über das Behandlungsgebiet. Eine zweite Variante ist die funktionelle Kombination im ödematisierten Gebiet. Hierbei verschiebt man mit einem Griff (z. B. Pump- oder Schöpfgriff) die Flüssigkeit, hält den Druck aufrecht und holt die verschobene Flüssigkeit mit dem zweiten Griff ab. Erst dann folgt die Entspannungsphase des ersten Griffes.
4.3.2 Rundumödemverschiebegriff
Diese Variante wird nur an den Extremitäten eingesetzt. Der Griff wird beidhändig ausgeführt, die Hände umfassen dabei ringförmig die Gliedmaße und verschieben die Ödemflüssigkeit. Auch hier ist es wichtig, nicht mit der Hand über die Haut zu gleiten.
4.4 Besonderheiten der Griffe beim Pferd
Grundsätzlich werden beim Pferd dieselben Griffe angewendet wie beim Menschen. Da die Dermis (Corium) beim Pferd erheblich kollagenreicher und deshalb »härter« ist als beim Menschen, muss jedoch vor allem im Bereich des Rumpfes mit mehr Druck gearbeitet werden. Andererseits hat das Pferd kaum Fett in der Subkutis, sodass besonders im distalen Extremitätenbereich, anders als beim Menschen (dort sind i. d. R. nur die oberflächlichen Kollektoren zu erreichen), auch tiefer liegende Lymphgefäße für die MLD zugänglich sind. Hier müssen die Griffe zum Teil modifiziert angewendet werden, z. B. stehende Kreise nur mit den Daumen im Bereich der Beugesehnen, um sich den anatomischen Gegebenheiten beim Pferd anzupassen.
4.5 Wirkung der MLD-Griffe auf die Venenwand
Sowohl beim Menschen als auch beim Pferd ist die Wirkung des MLD-Griffes auf die glatte Muskulatur der Venenwand nicht restlos geklärt. Die oberflächlich in der Haut gelegenen Venen besitzen ein ausgeprägtes mehrschichtiges System glatter Muskelzellen, das nicht auf einen MLD-Griff-Impuls reagiert. Vermutlich erfolgt der Venenantrieb vornehmlich durch elastische Fasern in ihrer Wand, während den muralen glatten Muskelzellen lediglich die Aufgabe der Vorspannung bzw. eine Stellfunktion zukommen soll. Die glatten Muskelzellen lassen sich in einen Single- oder Multi-Unit-Typ einteilen, wobei Lymphkollektoren vermutlich Muskelzellen vom Single-Unit-Typ aufweisen, da sie spontan auch auf einen MLD-Griff-Impuls reagieren können, was den glatten Muskelzellen der Venen offenbar nicht gelingt.
5 | Aufbau der Behandlung und Griffe-Katalog
C. Fedele
Grundsätzlich orientiert sich der Behandlungsaufbau an den anatomischen Gegebenheiten, d. h. am Verlauf der Lymphgefäße. Daher ist die Kenntnis der Lymphgefäßanatomie für den Therapeuten unabdingbar (siehe Kapitel 2). Der in diesem Kapitel beschriebene »Griffe-Katalog« (also welche MLD-Griffe werden wann eingesetzt) ist als Vorschlag und Lernhilfe zu werten, keinesfalls als starre Vorgabe. Dieser hier vorgestellte Griffe-Katalog für das Pferd wurde in Zusammenarbeit mit Thomas Schubert (MLD-Fachlehrer) entwickelt.
Von größerer Bedeutung sind die Behandlungsstrategien, also die Überlegung, welche Bereiche und Territorien in welcher Reihenfolge behandelt werden. Eine generelle Grundlage ist die Durchführung der Behandlung von zentral nach peripher. Hierdurch macht man »den Weg frei«, um den Lymphabfluss zu beschleunigen. Jede MLD-Behandlung beginnt deshalb mit einer zentralen Vorbehandlung.
5.1 Zentrale Vorbehandlung
Die zentrale Vorbehandlung wird in drei verschiedene Schritte unterteilt:
Anguläre Vorbehandlung
Thorako-abdominale Vorbehandlung
Trunkuläre Vorbehandlung
Als Wirkungen der zentralen Vorbehandlung werden eine Verminderung des Strömungswiderstandes durch die Entleerung der regionalen Lymphknoten sowie eine gesteigerte Sogwirkung der behandelten zentralen Lymphgefäße postuliert. Untersuchungen von Strössenreuther (2002a) zeigen auch noch einige Stunden nach der MLD eine gesteigerte Aktivität der Lymphangione.
In Abhängigkeit von der betroffenen Region werden entweder nur der erste, zwei oder alle drei Schritte ausgeführt (siehe Kapitel 5.2).
5.1.1 Anguläre Vorbehandlung
Die anguläre Vorbehandlung (VBH) stellt den wichtigsten Teil der zentralen VBH dar, weil durch sie der Abfluss der Lymphe in die Venenwinkel, und damit in den Blutkreislauf, forciert wird.
Um dieses zu erreichen, werden die Buglymphknoten, Lnn. cervicales superficiales (Abb. 5.1), angeregt, welche beidseits dem Venenwinkel vorgeschaltet sind (siehe Abb. 2.37). Hierzu wird zum einen über den Buglymphknoten selbst gearbeitet (hierbei ist vor allem die linke Seite von Bedeutung, da über sie die gesamte Hinterhand sowie die linke Vordergliedmaße entsorgt werden), zum anderen werden die Afferenzen aktiviert. Die Lymphe fließt so über die Lnn. cervicales superficiales direkt oder über die Lnn. cervicales profundi caudales in die Venenwinkel ab. Zusätzlich erfolgt eine Behandlung des Truncus jugularis und optional der Afferenzen der Lnn. axillares proprii.
Vor dem kranialen Rand des Schulterblattes werden stehende Kreise mit Druck unter das Schulterblatt ausgeführt. Die Hand muss dabei vorne an den Skapularand greifen, damit nicht nur die Muskulatur bearbeitet wird. Ausdrehrichtung der stehenden Kreise ist die Kleinfingerseite (ulnar), man führt fünf bis sieben Griffe über dem Lymphknoten aus.
Es folgen die Afferenzen zu den Buglymphknoten. Hierbei wird mit Quergriffen in jeweils drei bis fünf Bahnen sternförmig auf den Buglymphknoten zugearbeitet (Abb. 5.2). Der Einsatz von Drehgriffen, in mehreren Bahnen rund um den Buglymphknoten, ist ebenfalls möglich. Um den Truncus jugularis zu aktivieren (siehe Abb. 5.1), wird in der Drosselrinne mit stehenden Kreisen entlang der V. jugularis externa gearbeitet (ausgeführt alternativ 4-zu-4-Finger oder mit den Handkanten). Hierbei kann sowohl kopfwärts, beginnend am unteren Ende des Halses, als auch rumpfwärts, beginnend am Kopfende des Halses, gearbeitet werden.
Abb. 5.1:
Darstellung des Truncus jugularis (4) und der Lnn. cervicales superficiales (5) (nach Baum, 1928). Die übrigen mit Zahlen markierten Strukturen sind in Abb. 2.38 beschrieben.
Beachte, dass die Schilddrüse (7) mit den Lnn. cervicales profundi craniales (1) verwechselt werden kann.
Abb. 5.2:
Schematische Darstellung der Grifforientierung sternförmig in Richtung auf die Buglymphknoten.
Abb. 5.3:
Wichtige Lymphknoten und Lymphdrainagewege beim Pferd. Die Lymphe von Kopf, Hals und Vordergliedmaßen fließt über die Lnn. cervicales superficiales in die Lnn. cervicales profundi caudales und von dort über die Venenwinkel in das venöse System. Die Lymphe aus den hinteren Körperbereichen fließt über den Ductus thoracicus direkt in den linken Venenwinkel (siehe auch Abb. 2.35).
Der Druck geht in die Tiefe und in Richtung Buggelenk. Wichtig ist, dass die Behandlung gleichzeitig auf beiden Seiten erfolgt, da das Gewebe sonst ausweicht. Der Abfluss des Truncus jugularis erfolgt über die Lnn. cervicales profundi caudales (Abb. 5.3) und von diesen weiter in den linken bzw. rechten Venenwinkel.
Tabelle 5.1: Anguläre Vorbehandlung (siehe Abb. 5.6; 1–2, rote Punkte)
| 1a | Aktivierung der Lnn. cervicales supff. |
| 1b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. |
| 2 | Aktivierung des Truncus jugularis |
Im Anschluss können zusätzlich noch die Afferenzen der Lnn. axillares proprii behandelt werden. Die Lymphknoten selbst sind nicht direkt zugänglich, da sie beim Pferd in der Tiefe der Axilla am Rumpf liegen (Abb. 5.4). Die Lymphe wird von den Lnn. axillares proprii zu den Lnn. cervicales proff. caudd. und von dort in die Venenwinkel drainiert. Die Afferenzen der Lnn. axillares werden mit stehenden Kreisen beidhändig, Druckrichtung nach dorsal, und mit radialer Ausdrehrichtung (Daumenseite) aktiviert. Dazu steht der Therapeut möglichst dicht am Pferd und umfasst das Vorderbein so rumpfnah wie möglich von kranial und kaudal. Die Hände werden dabei flächig aufgelegt (Abb. 5.5).
Die Tabelle 5.1 zeigt die anguläre VBH zusammengefasst, alle Schritte der zentralen VBH sind in Abbildung 5.6 dargestellt.
Abb. 5.4:
Darstellung der Lnn. cubitales (1) und Lnn. axillares proprii (2) nach Baum (1928). Beachte, dass fast alle Kollektoren der Medialseite die Lnn. cubitales erreichen. Nur ein Kollektor (an der Vorderkante der Extremität) verläuft zu den Lnn. cervicales superficiales (nicht eingezeichnet).
Abb. 5.5:
Schematische Darstellung der Griffrichtung im Bereich der Achselhöhle.
5.1.2 Thorako-abdominale Vorbehandlung
Die Kollateralisierung der im kaudalen Körperbereich anfallenden Lymphe über die transversale Wasserscheide auf Höhe der 11. Rippe ist das Ziel dieses Behandlungsschrittes. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es unterschiedliche Drainagewege.
Zuerst wird mit mehreren Bahnen Quergriffen im ventralen Bereich über die transversale Wasserscheide behandelt, aus dem Territorium VII direkt in das Territorium III. Der Abfluss erfolgt über die Lnn. cervicales superficiales direkt oder unter Zwischenschaltung der Lnn. cervicales proff. caudd. und Lnn. mediastinales cran. in die Venenwinkel. Danach werden Drehgriffe in mehreren Bahnen (3–5) aus den Territorien V und VII über die transversale Wasserscheide in Richtung auf die Achsellymphknoten in das Territorium IV durchgeführt (Abb. 5.6; Tab. 5.2, 4a, b). Es folgen mehrere Bahnen Quergriffe in derselben Richtung (Abb. 5.7). Der Abfluss erfolgt über die Lnn. axillares proprii.
Abb. 5.6:
Schrittweise Darstellung der zentralen Vorbehandlung (VBH) sowie der Behandlungsstrategie für die Beckengliedmaße. Anguläre VBH (1–2, rote Punkte): (1a) Aktivierung der Buglymphknoten (Lnn. cervicales superficiales), (1b) Afferenzen zu den Buglymphknoten, (1c) Afferenzen zu den Lnn. mediastinales craniales, (2) beidseitige Aktivierung des Truncus jugularis in der Drosselrinne in Abflussrichtung zu den Lnn. cervicales profundi caudales (Lcpc).
Thorako-abdominale VBH (3–4, blaue Punkte): (3) Transterritorial über die transversale Wasserscheide (TW) aus dem Territorium VII nach III, (4a) transterritorial über die TW aus dem Territorium V nach IV, (4b) transterritorial aus dem Territorium VII in IV.
Trunkuläre VBH (5–7, blaue Punkte): (5a) Aktivierung der Kniefaltenlymphknoten (Lnn. subiliaci), (5b) Afferenzen zu den Kniefaltenlymphknoten, (6) Aktivierung der Lnn. anorectales et hypogastrici, (7) transterritorial von VII nach V und von VII nach VI.
Behandlungsstrategie der Beckengliedmaße (in proximo-distaler Reihenfolge, 8–10, gelbe Punkte): (8a) Aktivierung der Leistenlymphknoten (Lnn. inguinales superficiales et profundi), (8b) Afferenzen zu den Leistenlymphknoten, von lateral nach medial um die Kaudalkontur des Oberschenkels, (9) Afferenzen zu den tiefen Kniekehllymphknoten (Lnn. poplitei profundi) von lateral nach medial um die Kaudalkontur des Unterschenkels bzw. zu den tiefen Leistenlymphknoten (Lnn. inguinales profundi) um die Kranialkontur des Unterschenkels, (10) Aktivierung der Kollektoren im Bereich des Fußes lateral und medial.
Tabelle 5.2: Thorako-abdominale Vorbehandlung (siehe Abb. 5.6; 3–4, blaue Punkte, und Abb. 5.8)
| 3 | Behandlung über die transversale Wasserscheide von VII nach III |
| 4a | Behandlung über die transversale Wasserscheide von V nach IV |
| 4b | Behandlung über die transversale Wasserscheide von VII nach IV |
Eine weitere mögliche Variante ist die Behandlung von Territorium VII in das Territorium V, danach von diesem in das Territorium IV und anschließend in das Territorium III (Abb. 5.8; rote Balken). Hier erfolgt der Abfluss erneut über die Lnn. axillares proprii, Lnn. cervicales profundi caudales und die Venenwinkel. Auch dafür kommen mehrere Bahnen Dreh- und Quergriffe zum Einsatz.
Zusammengefasst wird die thorako-abdominale Vorbehandlung in Tabelle 5.2 dargestellt.
Abb. 5.7:
Schematische Darstellung der Griffrichtung über die transversale Wasserscheide. Beachte, dass die transterritoriale MLD-Behandlung zur Kollateralisierung des zentralen Lymphabflusses (in den Körperhöhlen) nur sinnvoll ist, wenn ein Lymphödem im Territorium V oder eine hohe Ödematisierung der Beckengliedmaße (proximal des Tarsalgelenks) vorliegt.
Abb. 5.8:
Abflussschema im Bereich des Rumpfes und der Bauchhöhle (siehe auch Abb. 2.57).
Rote Balken (außen) = kollaterale Behandlung aus dem Territorium V zum Territorium IV; roter Balken (innen) = kollaterale Behandlung aus dem Territorium VII zum Territorium IV; grün gestrichelter Kollektor in der ventralen Bauchwand aus dem Territorium VII in das Territorium III.
Abb. 5.9:
Darstellung der Lnn. subiliaci mit ihren Afferenzen (nach Baum, 1928).
5.1.3 Trunkuläre Vorbehandlung
Die trunkuläre VBH dient der Aktivierung der zentralen Abflussverhältnisse in den Lymphgefäßstämmen (Trunci lymphatici) der Bauchhöhle. Diese Behandlung sollte stets auf beiden Körperseiten durchgeführt werden. Sie setzt sich zusammen aus der Aktivierung der Kniefaltenlymphknoten (Lnn. subiliaci) und deren Afferenzen (Abb. 5.9). Die trunkuläre VBH bewirkt die Anregung der Drainage zu den und über die Lnn. iliaci oder direkt in die Trunci lumbales. Diese drainieren die Lymphe in die Cisterna chyli. Die trunkuläre Vorbehandlung dient dem Ersatz der beim Menschen genutzten hocheffektiven Bauch-Tief-Drainage. Diese kann beim Pferd aufgrund der anatomischen Gegebenheiten (Vierfüßerstand, hohe Eingeweidelast) nicht zur Anwendung kommen. Die Aktivierung der Lnn. subiliaci erfolgt durch stehende Kreise (5–7) direkt über den Lymphknoten mit Druckrichtung in die Tiefe, über die ulnare Handseite. Es folgen mehrere Bahnen Dreh- und Quergriffe in sternförmiger Richtung auf die Lnn. subiliaci zu, um deren Afferenzen zu aktivieren. Pferde sind im Bereich der Kniefalte meist sehr kitzelig. Ein flächiges Arbeiten mit nicht zu wenig Druck sowie eine Position nah am Pferd sind daher unbedingt zu beachten! Zum Abschluss kann der Abfluss aus dem Territorium VII transterritorial in das Territorium V mit Dreh- und Quergriffen in jeweils mehreren Bahnen forciert werden. Die unter Punkt 6 dargestellte Aktivierung der Lnn. anorectales und hypogastrici gehört zur Behandlungsstrategie der Beckengliedmaße.
Die trunkuläre Vorbehandlung ist in Tabelle 5.3 dargestellt.
Tabelle 5.3: Trunkuläre Vorbehandlung (siehe Abb. 5.6; 5a, b, blaue Punkte)
| 5a | Aktivierung der Lnn. subiliaci |
| 5b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. subiliaci |
| 7 | Transterritoriale Behandlung von VII nach V |
5.2 5.2 Behandlungsstrategien
Generell wird die Behandlungsstrategie dem individuellen Befund des Patienten angepasst. In der Regel muss eine zentrale Vorbehandlung erfolgen, bevor im eigentlichen Krankheitsgebiet gearbeitet wird (Ausnahme: begrenzte lokale Umfangsvermehrungen). Um eine grundsätzliche Übersicht zu ermöglichen, werden im Folgenden die Behandlungsstrategien für den Rumpf, die Hintergliedmaßen, die Vordergliedmaßen und den Kopf aufgezeigt.
5.2.1 Behandlungsstrategie Rumpf
Ödeme im Rumpfbereich befinden sich hauptsächlich im Territorium VII, da dieses den größten Teil des ventralen Rumpfes einschließt. Um diese Ödeme zu behandeln, erfolgt eine vollständige zentrale Vorbehandlung mit allen drei Abschnitten auf beiden Seiten (siehe Kapitel 5.1). Von besonderer Bedeutung ist die thorako-abdominale VBH, da durch die Behandlung mit mehreren Bahnen Dreh- und Quergriffen über die transversale Wasserscheide aus dem Territorium VII in das Territorium III ein sehr schneller Abtransport der Ödemflüssigkeit forciert wird (Abb. 5.10; 3). Die folgende transterritoriale Behandlung von Territorium VII nach Territorium IV (Abb. 5.10; 4) ist besonders effektiv, wenn das ödematisierte Gebiet ventral bis in das Territorium III hineinreicht. Die Aktivierung der Lnn. subiliaci mit stehenden Kreisen erfolgt als nächster Schritt (Abb. 5.10; 5a). Danach werden die Afferenzen dieser Lymphknotengruppe mit drei bis fünf Bahnen sternförmig auf die Lymphknoten zuführenden Dreh- und Quergriffen angeregt (Abb. 5.10; 5b). Im Anschluss wird mit mehreren Bahnen Dreh- und Quergriffen transterritorial aus dem ödematisierten Territorium VII in das Territorium V behandelt (Abb. 5.10; 6). Als zusätzliche Kollaterale besteht die Möglichkeit, vom Territorium V transterritorial in das Territorium IV zu behandeln (siehe Abb. 5.8; äußerer roter Balken). Aus dem Territorium IV wird die Lymphe dann unter Zwischenschaltung der Lnn. axillares proprii in die Lnn. cervicales proff. caudd. drainiert und von dort anschließend in die Venenwinkel. Zum Abschluss der Rumpfbehandlung werden die Lnn. inguinales profundi (Abb. 5.10; 7a) und die Lnn. inguinales supff. (Abb. 5.10; 7b) aktiviert. Dazu steht der Therapeut seitlich dicht am Pferd und führt mit flächig von dorsal und plantar auf die mediale Seite des Oberschenkels aufgelegten Händen stehende Kreise aus. Die Druckrichtung geht nach dorsal. Durch die Aktivierung der Lnn. inguinales superficiales et profundi wird ebenfalls der Lymphabfluss in die Lnn. iliaci mediales angeregt (wie auch über die Lnn. subiliaci) und über diese in die großen Lymphgefäßstämme der Bauchhöhle geleitet. Diese Behandlungsschritte werden auf beiden Seiten durchgeführt und dann noch einmal komplett wiederholt.
Die gesamte Behandlungsstrategie ist zusammengefasst in Tabelle 5.4 dargestellt.
Tabelle 5.4: Behandlungsstrategie Rumpf (siehe Abb. 5.10)
| 1a | Aktivierung der Lnn. cervicales supff. |
| 1b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. |
| 2 | Aktivierung des Truncus jugularis |
| 3 | Transterritoriale Behandlung von VII nach III |
| 4 | Transterritoriale Behandlung von VII nach IV |
| 5a | Aktivierung der Lnn. subiliaci |
| 5b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. subiliaci |
| 6 | Transterritoriale Behandlung von VII nach V |
| 7a | Aktivierung der Lnn. inguinales proff. |
| 7b | Aktivierung der Lnn. inguinales supff. |
Abb. 5.10:
Behandlungsstrategie für den Rumpf.
Anguläre VBH (1–2, rote Punkte): (1a) Aktivierung der Buglymphknoten (Lnn. cervicales superficiales), (1b) Afferenzen zu den Buglymphknoten, (2) beidseitige Aktivierung des Truncus jugularis in der Drosselrinne in Abflussrichtung zu den Lnn. cervicales profundi caudales.
Thorako-abdominale VBH (3–4, blaue Punkte): (3) Transterritorial über die transversale Wasserscheide aus dem Territorium VII in III, (4) transterritorial über die transversale Wasserscheide aus dem Territorium VII in IV.
Trunkuläre VBH (5–6, blaue Punkte): (5a) Aktivierung der Kniefaltenlymphknoten (Lnn. subiliaci), (5b) Afferenzen zu den Kniefaltenlymphknoten, (6) transterritorial von VII nach V.
Rumpfbehandlung (7a–7b, gelbe Punkte): (7a) Aktivierung der tiefen Leistenlymphknoten (Lnn. inguinales profundi), (7b) Aktivierung der oberflächlichen Leistenlymphknoten (Lnn. inguinales superficiales).
5.2.2 Behandlungsstrategie Hintergliedmaße
Die Hintergliedmaße ist beim Pferd die am weitaus häufigsten betroffene Region in Bezug auf Lymphödematisierungen. Die Behandlung beginnt mit einer vollständigen zentralen Vorbehandlung (siehe Kapitel 5.1, Abb. 5.6; 1–7), d. h., die anguläre, thorako-abdominale und trunkuläre VBH werden komplett durchgeführt. Dabei ist bei der angulären VBH vor allem die Aktivierung des Buglymphknotens auf der linken Seite von Bedeutung, da beide Hinterbeine über den linken Venenwinkel drainiert werden.
Eine mit stehenden Kreisen durchgeführte Aktivierung der Lnn. anorectales et hypogastrici im Territorium VI kann ergänzend durchgeführt werden (Abb. 5.6; 6). Es folgt in mehreren Bahnen Dreh- und Quergriffen die transterritoriale Behandlung vom Territorium VII zum Territorium V (Abb. 5.6; 7). Die eigentliche Extremitätenbehandlung erfolgt in proximo-distaler Reihenfolge. Als erster Schritt werden die Lnn. inguinales superficiales et profundi aktiviert (Abb. 5.6; 8a). Hierzu steht der Therapeut dicht am Pferd, die Hände werden flächig von dorsal und plantar auf die mediale Seite des Oberschenkels gelegt, so rumpfnah wie möglich. Cave: Die meisten Pferde reagieren hier besonders empfindlich! Gearbeitet wird mit stehenden Kreisen, Druckrichtung nach dorsal und Ausdrehrichtung zur radialen Handseite.
Nachfolgend werden die lymphknotennahen Afferenzen zu den Leistenlymphknoten im Territorium VII aktiviert (Abb. 5.6; 8b). Dazu werden stehende Kreise mit der ganzen Handfläche in der Kniefalte, von kranial kommend, in Richtung auf die Lnn. inguinales superficiales ausgeführt. Danach folgen stehende Kreise mit den Fingerkuppen im Bereich der Kniekehle in Richtung auf die Lnn. poplitei. Diese sind einer direkten Aktivierung selbst nicht zugänglich, ihr Abfluss erfolgt aber in die Lnn. inguinales profundi.
Auch die Lnn. inguinales superficiales drainieren die Lymphe in die Lnn. inguinales profundi. Aus den tiefen inguinalen Lymphknoten wird die Lymphe dann zu den inneren Darmbeinlymphknoten (Lnn. iliaci medd.) abdrainiert und von dort über die großen Lymphgefäßstämme zur Cisterna chyli, in den Ductus thoracicus und schließlich in den linken Venenwinkel.
Im nächsten Schritt werden die oberflächlichen und tiefen Afferenzen zu den Leistenlymphknoten am Unterschenkel behandelt. Die Behandlung erfolgt durch Schöpfgriffe oder stehende Kreise in mehreren Bahnen, beginnend in Höhe des Tarsus und in Richtung auf die Lnn. inguinales superficiales et profundi zu. Zu beachten ist, dass ab Höhe des Tarsus bis zur Kniekehle bzw. zum Knie die oberflächlichen Lymphgefäße um die dorsale und plantare Kontur des Beines von lateral nach medial umschlagen. Die MLD-Griffe müssen diesem Gefäßverlauf folgen (Abb. 5.6; 9). Die beim Pferd durch die dünne Subkutis im Gegensatz zum Menschen erreichbaren tiefen Kollektoren am Unterschenkel werden durch diese Behandlung ebenfalls aktiviert. Sie haben ihren Abfluss direkt oder über die Kniekehllymphknoten (Lnn. poplitei) in die tiefen Leistenlymphknoten (Lnn. inguinales proff.).
Am Röhrbein folgen anschließend mehrere Bahnen von Schöpfgriffen, um die tiefen Afferenzen des Fußes zu den tiefen Leistenlymphknoten zu aktivieren, da der distale Fuß über kurze oberflächliche Kollektoren direkt in das tiefe Kollektorensystem drainiert wird (Berens v. Rautenfeld und Rothe, 2002; Rothe, 2004).
Die Griffe werden, wechselweise oder nacheinander von plantar und dorsal ausgeführt (Abb. 5.6; 10). Den Abschluss der Behandlung bildet die Anregung der Efferenzen am Huf, welcher nur von tiefen Kollektoren drainiert wird (siehe Kapitel 2). Hierfür werden distal des Fesselgelenks stehende Kreise mit den Daumen von dorsal und plantar eingesetzt, die Druckrichtung zeigt nach proximal.
Die gesamte Behandlungsstrategie ist zusammengefasst in Tabelle 5.5 dargestellt.
Tabelle 5.5: Behandlungsstrategie Hintergliedmaß (siehe Abb. 5.6)
| 1a | Aktivierung der Lnn. cervicales supff. |
| 1b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. |
| 1c | Aktivierung der Lnn. mediastinales crann. (optional) |
| 2 | Aktivierung des Truncus jugularis |
| 3 4 |
Transterritoriale Behandlung von VII nach III Transterritoriale Behandlung von VII nach IV |
| 5a | Aktivierung der Lnn. subiliaci |
| 5b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. subiliaci |
| 6 | Aktivierung der Lnn. anorectales et hypogastrici |
| 7 | Transterritoriale Behandlung von VII nach V und VI |
| 8a | Aktivierung der Lnn. inguinales supff. et proff. |
| 8b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn inguinales proff. |
| 9 | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn inguinales supff. et proff. Unterschenkel |
| 10 | Aktivierung der tiefen Afferenzen am Fuß |
5.2.3 Behandlungsstrategie Vordergliedmaße
Die Behandlung der Vordergliedmaße beginnt mit einer angulären VBH (siehe Kapitel 5.1.1) als zentraler Vorbehandlung. Sie wird auf der betroffenen Seite durchgeführt und beginnt mit der Aktivierung der Lnn. cervicales superficiales durch stehende Kreise (Abb. 5.11; 1a). Im Anschluss werden die nahen Afferenzen zu den Buglymphknoten mit drei bis fünf Bahnen Quergriffen behandelt, sternförmig auf die Lymphknoten zu (Abb. 5.11; 1b). Als nächster Schritt folgt die Behandlung der im Brustbereich liegenden Afferenzen, ebenfalls mit drei bis fünf Bahnen Quergriffen in Richtung auf die Buglymphknoten zu (Abb. 5.11; 1c). Anschließend erfolgt die Anregung des Truncus jugularis (Abb. 5.11; 2). Diese wird zeitgleich beidseits mit stehenden Kreisen durchgeführt (Finger oder Handkante; siehe Kapitel 5.1.1). Durch die so erfolgte zentrale Vorbehandlung wird der Lymphabfluss aus den Lnn. cervicales superficiales sowie dem Truncus jugularis in die Lnn. cervicales profundi caudales und von diesen ausgehend weiter in den Venenwinkel aktiviert.
In proximo-distaler Reihenfolge erfolgt dann, wie auch an der Hintergliedmaße, die eigentliche Extremitätenbehandlung. Hierzu werden die im Bereich von Schulter und Oberarm im Territorium III liegenden Afferenzen des Buglymphknotens mit mehreren Bahnen Dreh- und Quergriffen angeregt (Abb. 5.11; 3). Im Anschluss werden die am Unterarm ebenfalls im Territorium III liegenden Afferenzen zu den Lnn. cervicales superficiales behandelt (Abb. 5.11; 4). Zum Einsatz kommen Schöpfgriffe und stehende Kreise, ausgeführt von medial und lateral, beginnend auf Höhe des Carpus. Die sich anschließende Behandlung am Fuß erfolgt analog zur Hintergliedmaße, indem am Röhrbein mit mehreren Bahnen Schöpfgriffen die tiefen Afferenzen des Fußes zu den Buglymphknoten aktiviert werden. Auch hier können die Griffe wechselweise oder nacheinander von palmar und dorsal ausgeführt werden (Abb. 5.11; 5). Abschließend werden auch an der Vordergliedmaße die Efferenzen am Huf angeregt. Hierbei werden distal des Fesselgelenks mit den Daumen stehende Kreise von dorsal und palmar ausgeführt (proximale Druckrichtung).
Die gesamte Behandlungsstrategie ist zusammengefasst in Tabelle 5.6 dargestellt.
Abb. 5.11:
Behandlungsstrategie für die Vordergliedmaße.
Anguläre VBH (1–2, rote Punkte): (1a) Aktivierung der Buglymphknoten (Lnn. cervicales superficiales), (1b) Afferenzen zu den Buglymphknoten, (1c) Afferenzen zu den Buglymphknoten im Brustbereich, (2) beidseitige Aktivierung des Truncus jugularis in der Drosselrinne mit Abflussrichtung zu den Lnn. cervicales profundi caudales (Lcpc) mit dem Abfluss in den linken Venenwinkel (LVW).
Behandlung Vordergliedmaße (3–5, gelbe Punkte): (3) Afferenzen zu den Buglymphknoten im Schulter- und Oberarmbereich, (4) Afferenzen zu den Buglymphknoten im Unterarmbereich, (5) Afferenzen der oberflächlich und tief verlaufenden Kollektoren des Fußes zu den Buglymphknoten.
Tabelle 5.6: Behandlungsstrategie Vordergliedmaße (siehe Abb. 5.11)
| 1a | Aktivierung der Lnn. cervicales supff. |
| 1b | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. |
| 1c | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. im Brustbereich |
| 2 | Aktivierung des Truncus jugularis |
| 3 | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. am Oberarm |
| 4 | Aktivierung der Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. am Unterarm |
| 5 | Aktivierung der tiefen Afferenzen zu den Lnn. cervicales supff. am Fuß |
5.2.4 Behandlungsstrategie Kopf
Um Ödeme im Bereich des Kopfes zu behandeln, erfolgt als erster Schritt eine beidseitige anguläre Vorbehandlung als zentrale VBH. Begonnen wird mit der Aktivierung der Buglymphknoten durch stehende Kreise, fünf- bis siebenmal, ausgeführt direkt über den Lymphknoten.
Die Ausdrehrichtung erfolgt jeweils auf das Schulterblatt zu (Abb. 5.12; 1a). Nachdem die den Lymphknoten nahen Afferenzen mit mehreren Bahnen Dreh- und Quergriffen sternförmig auf die Lymphknoten zu aktiviert worden sind (Abb. 5.12; 1b), folgen die im Kopf- und Halsbereich liegenden Afferenzen zu den Lnn. cervicales superficiales (Abb. 5.12; 1c) mit mehreren Bahnen Dreh- und Quergriffen. Die ebenfalls im Territorium III liegenden Afferenzen im Bereich der Kaumuskulatur (M. masseter, »Backen«) werden mit stehenden Kreisen in Richtung auf die Buglymphknoten behandelt (Abb. 5.12; 1c).
Anschließend wird mit stehenden 4-zu-4-Finger-Kreisen der Truncus jugularis aktiviert (Abb. 5.12; 2) und damit der Abfluss in die Lnn. cervicales profundi caudales und von dort weiter in den Venenwinkel angeregt.
Als nächster Schritt und Beginn der eigentlichen Kopfbehandlung werden die Lnn. mandibulares aktiviert (Abb. 5.12; 3a). Dazu legt der Therapeut seine Hand flächig zwischen die Unterkieferäste des Pferdes und führt stehende Kreise mit Druckrichtung nach aboral aus. Die zugehörigen Afferenzen im Territorium I werden beidseits mit flächigen stehenden Kreisen von rostral in Richtung auf den Unterkiefer zu behandelt (Abb. 5.12; 3b). Die Lnn. mandibulares haben ihren Abfluss in dem bereits aktivierten Truncus jugularis.
Zum Abschluss werden beidseits die im Territorium II liegenden Afferenzen der Lnn. parotidei mit stehenden Kreisen angeregt (ausgeführt mit den Fingerkuppen; Abb. 5.12; 4). Die Lnn. parotidei entsorgen die Lymphe über die Lnn. retropharyngii medd. über die Lnn. cervicales proff. crann. in die Lnn. cervicales superficiales und über diese in die Lnn. cervicales proff. caudd. und weiter in den Venenwinkel.
Abb. 5.12:
Behandlungsstrategie für den Kopf.
Anguläre VBH (1–2, rote Punkte): (1a) Aktivierung der Buglymphknoten (Lnn. cervicales superficiales), (1b) Afferenzen zu den Buglymphknoten, (1c) Afferenzen zu den Buglymphknoten im Kopf- und Halsbereich, (2) Aktivierung des Truncus jugularis in der Drosselrinne mit Abflussrichtung zu den Lnn. cervicales profundi caudales (Lcpc) mit Abfluss in den linken Venenwinkel (LVW).
Kopfbehandlung (3–4, gelbe Punkte): (3a) Aktivierung der Unterkieferlymphknoten (Lnn. mandibulares), (3b) Afferenzen zu den Lnn. mandibulares, (4) Afferenzen zu den Ohrspeicheldrüsenlymphknoten (Lnn. parotidei).
Die gesamte Behandlungsstrategie ist zusammengefasst in Tabelle 5.7 dargestellt.
Tabelle 5.7: Behandlungsstrategie Kopf (siehe Abb. 5.12)
Details
- Seiten
- 228
- ISBN (ePUB)
- 9783842685215
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2014 (Mai)
- Schlagworte
- Anwendung Behandlung Lehrbuch Lymphdrainage Lymphgefäßsystem Pferd Veterinärmedizin